Newsletter Nr. 1136 des VBB Kärnten in Brüssel (18. Mai bis 22. Mai 2026)

Liebe Leserinnen und Leser, 

 

die EU spricht derzeit viel über Sicherheit. Gemeint ist damit längst nicht mehr nur Verteidigung, sondern die Sorge vor Kontrollverlust – wirtschaftlich, technologisch und politisch. Die Europäische Union wirkt in diesen Wochen wie ein politisches Projekt, das gleichzeitig sparen, investieren, aufrüsten und beruhigen soll. Die vergangenen Wochen haben gezeigt, wie stark sich die politischen Prioritäten verschieben. Während früher vor allem über Binnenmarkt, Wachstum oder Erweiterung gesprochen wurde, dominieren heute Fragen der wirtschaftlichen Widerstandsfähigkeit und strategischen Eigenständigkeit. Wer kontrolliert kritische Infrastruktur? Wer entwickelt die Schlüsseltechnologien der Zukunft? Und wie abhängig darf die EU in einer Welt zunehmender geopolitischer Spannungen überhaupt noch sein?

Besonders sichtbar wurde das während der Plenarwoche des Europäischen Parlaments in Straßburg. Dort ging es um strengere Kontrollen ausländischer Investitionen in strategischen Bereichen wie künstliche Intelligenz, Energie oder Halbleitertechnologie. Offiziell spricht die EU von wirtschaftlicher Sicherheit. Tatsächlich geht es um die Erkenntnis, dass wirtschaftliche Abhängigkeit längst zur geopolitischen Schwachstelle geworden ist. Auch die Diskussion rund um künstliche Intelligenz zeigt diese neue europäische Grundstimmung. Während die USA und China Milliarden investieren und den technologischen Takt vorgeben, versucht die Europäische Union ihren eigenen Weg zu finden: innovativ, aber reguliert; offen, aber kontrolliert.

Parallel dazu veröffentlichte die Europäische Kommission ihren „Spring 2026 Economic Forecast“. Die Botschaft ist ernüchternd: Die Wirtschaft der EU bleibt anfällig. Hohe Energiepreise, geopolitische Spannungen und Unsicherheiten im Welthandel bremsen die Erholung. Gerade exportorientierte Staaten wie Österreich spüren das deutlich. Denn die eigentliche Herausforderung besteht längst nicht mehr nur im Wachstum. Die EU soll gleichzeitig klimafreundlicher, militärisch resilienter, technologisch unabhängiger und wirtschaftlich konkurrenzfähig werden – in einer Zeit, in der viele Bürger:innen vor allem steigende Preise und zunehmende Unsicherheit wahrnehmen.

Während in Straßburg über Wettbewerbsfähigkeit diskutiert wurde, rückte beim GLOBSEC Forum 2026 in Prag die Sicherheitslage der EU in den Vordergrund. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine, hybride Bedrohungen und globale Machtverschiebungen verändern den sicherheitspolitischen Blick auf die Union spürbar. Zusätzliche Brisanz brachten mehrere Drohnenvorfälle im Baltikum rund um den 19. und 20. Mai: In Estland und Litauen führten Luftraumverletzungen und Störungen von GPS-Systemen zu erhöhter Alarmbereitschaft sowie verstärkter NATO-Luftüberwachung. Baltische Behörden sehen darin mögliche Folgen russischer elektronischer Kriegsführung im Zusammenhang mit dem Krieg gegen die Ukraine. Damit wird Sicherheit immer stärker zum Leitmotiv europäischer Politik.

Und dennoch zeigt sich europäische Zusammenarbeit oft gerade dort am stärksten, wo sie wenig Schlagzeilen produziert. In unserer Rubrik „Projekt der Woche“ stellen wir diesmal BIOdiverseWetNet vor – ein Projekt zum Schutz von Feuchtgebieten und Biodiversität im Alpen-Adria-Raum. Gerade angesichts zunehmender Extremwetterereignisse wird deutlich, wie konkret europäische Zusammenarbeit vor Ort wirken kann.

Vielleicht liegt genau darin die europäische Realität dieser Tage: Zwischen geopolitischem Druck und regionalen Lösungen versucht die Europäische Union, Stabilität neu zu definieren – nicht abstrakt, sondern im Alltag ihrer Bürger:innen.

 

Ich wünsche Ihnen eine aufschlussreiche Lektüre und schöne sowie erholsame Pfingsten.

 

Herzlichst, 

Ihre 

Martina Rattinger 

Leiterin des EU-Verbindungsbüros des Landes Kärnten in Brüssel 

Tagesordnungen der EU-Institutionen
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Unsere Themen heute:

[ EU-Institutionen ]

EU im Spannungsfeld: Straßburg ringt um Macht, Markt und Sicherheit

Die Europäische Union sortiert ihre Prioritäten neu und das mit spürbarer Dringlichkeit. Die Plenarwoche des Europäischen Parlaments in Straßburg hat gezeigt, wie stark sich politische Debatten inzwischen um drei große Linien drehen: wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit, sicherheitspolitische Stabilität und die Frage strategischer Unabhängigkeit der EU.

Was auf den ersten Blick wie ein Bündel einzelner Dossiers wirkt, fügt sich bei genauerem Hinsehen zu einem klaren Bild: Die EU reagiert auf eine Welt, in der geopolitische Spannungen, technologische Umbrüche und wirtschaftlicher Druck zunehmend ineinandergreifen. Ein zentrales Thema war dabei die Verschärfung der Regeln für ausländische Investitionen in strategische Unternehmen. Künftig sollen Übernahmen in sensiblen Bereichen wie Energie, Halbleiterproduktion, künstlicher Intelligenz oder Telekommunikation strenger geprüft werden.
JW

[ EU-Institutionen ]

Europas neue Realität: EU-Politik rückt Verteidigung ins Zentrum

Die sicherheitspolitische Ausgangslage hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend verändert. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine, die Konflikte im Nahen Osten und wachsende Spannungen im indopazifischen Raum erhöhen den Druck auf europäische Staaten, ihre Sicherheits- und Verteidigungsfähigkeit auszubauen. Gleichzeitig geraten internationale Institutionen und bestehende Sicherheitsmechanismen zunehmend an ihre Grenzen. Vor diesem Hintergrund konzentrieren sich die Debatten in Prag beim GLOBSEC Forum 2026 vor allem auf konkrete Fähigkeiten: den Ausbau europäischer Verteidigungsindustrien, integrierte Luftverteidigung, den Schutz kritischer Infrastruktur, Cybersicherheit sowie die Verringerung strategischer Abhängigkeiten bei Energie, Rohstoffen und digitalen Technologien.

Hybride Bedrohungen sind längst kein abstraktes Zukunftsszenario mehr, sondern Teil der sicherheitspolitischen Realität in Europa – besonders im Baltikum, das aufgrund seiner geografischen Lage und der Nähe zu Russland eine Art Frühwarnregion für Entwicklungen im Osten der EU ist. Rund um den 19. und 20. Mai kam es dort zu mehreren Vorfällen mit Drohnen, die sowohl in Estland als auch in Litauen registriert wurden.
IM / JW

[ EU-Institutionen ]

Schwaches Wachstum, neue Risiken: Warum die EU bei Österreich genauer hinsieht

Die wirtschaftliche Erholung in der Europäischen Union verläuft deutlich schwieriger als noch zu Jahresbeginn erwartet. Das zeigt der aktuelle „Spring 2026 Economic Forecast“ der Europäischen Kommission. Während sich die Inflation zuletzt zwar teilweise stabilisiert hatte, sorgen neue geopolitische Spannungen, steigende Energiepreise und internationale Handelskonflikte erneut für Unsicherheit. Besonders exportorientierte Volkswirtschaften wie Österreich stehen dabei zunehmend unter Druck.

Die Europäische Kommission hat ihre Wachstumsprognosen für die Eurozone deshalb nach unten korrigiert. Ausschlaggebend dafür sind vor allem die wirtschaftlichen Folgen des Nahostkonflikts sowie die erneut gestiegenen Ölpreise. Gleichzeitig bleibt die globale Wirtschaftslage fragil. Handelskonflikte, geopolitische Spannungen und schwächere internationale Nachfrage bremsen die europäische Industrie spürbar.
JW

[ EU-Institutionen ]

EU setzt auf Stabilität: Neuer Zolldeal mit den USA soll Eskalation verhindern

Die Europäische Union hat in Straßburg ein handelspolitisch heikles Kapitel abgeschlossen – unter Zeitdruck, politischer Nervosität und mit Blick auf ihre wirtschaftliche Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten. Mit der Umsetzung einer bereits im vergangenen Jahr politisch vereinbarten Zollregelung zwischen der EU und den USA will Brüssel vor allem eines erreichen: Stabilität in einer zunehmend unberechenbaren transatlantischen Handelsbeziehung.

Im Zentrum der Einigung steht eine weitreichende Zollanpassung, die die Beziehungen zwischen beiden Wirtschaftsräumen neu austariert. Die EU verzichtet künftig auf Zölle auf bestimmte US-Industriewaren, darunter zentrale Produkte wie Automobile und Maschinen. Diese Regelung tritt mit Inkraftsetzung des entsprechenden Rechtsakts in Kraft und ist bis Ende 2029 befristet – also über die nächste US-Präsidentschaftswahl hinaus. Im Gegenzug verpflichteten sich die Vereinigten Staaten, ihre Zölle auf europäische Produkte auf maximal 15 Prozent zu begrenzen.
JW

[ EU-Institutionen ]

Verwendet Kondome! Warum Geschlechtskrankheiten in der EU wieder stark zunehmen

Die Zahl sexuell übertragbarer Krankheiten in der Europäischen Union steigt seit Jahren und inzwischen so stark, dass die EU-Gesundheitsbehörde European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) von einem alarmierenden Trend spricht. Neue Daten zeigen: 2024 wurden in Europa so viele Fälle von Gonorrhö und Syphilis registriert wie seit mehr als einem Jahrzehnt nicht mehr.

Besonders auffällig ist dabei, wie rasch sich manche Infektionen ausbreiten und wie unterschiedlich Europas Gesundheitssysteme darauf vorbereitet sind. Am stärksten verbreitet bleibt weiterhin Chlamydien. Mehr als 213.000 Fälle wurden 2024 europaweit gemeldet. Noch dynamischer entwickelt sich allerdings die Zahl der Gonorrhö-Infektionen, besser bekannt als Tripper. Laut den aktuellen Daten stiegen die registrierten Fälle seit 2015 um mehr als 300 Prozent auf über 106.000 Fälle an. Auch Syphilis breitet sich deutlich stärker aus: Die Zahl der gemeldeten Infektionen hat sich innerhalb von neun Jahren mehr als verdoppelt.
JW

[ EU-Institutionen ]

Neue EU-Bürger:inneninitiativen: Rechte für die Natur und vernetzte Ökosysteme

Die Europäische Kommission hat zwei neue europäische Bürger:inneninitiativen registriert, die den Naturschutz in der EU grundlegend stärken sollen. Beide Initiativen verfolgen ambitionierte Ziele: Die eine fordert erstmals eigene Rechte für Ökosysteme, die andere will fragmentierte Lebensräume durch europaweite Korridore wieder verbinden.

Die Initiative „Rights for Nature: Empower Citizens to Represent and Protect Ecosystems" verfolgt einen für die EU neuartigen Ansatz. Die Organisatoren fordern, dass Ökosysteme künftig nicht mehr als Eigentum behandelt, sondern als lebende Einheiten mit eigenem Rechtsstatus anerkannt werden sollen. Konkret sollen Wälder, Flüsse, Feuchtgebiete und Meeresökosysteme fundamentale Rechte erhalten: das Recht zu existieren, ihre biologischen Kapazitäten und Lebenszyklen zu regenerieren sowie wiederhergestellt zu werden.
JW

[ Im Fokus ]

Neuer EU-Gewässerschutz: Strengere Regeln zum Schutz unseres Trinkwassers

Die Europäische Union hat neue, strengere Vorschriften zum Schutz von Oberflächen- und Grundwasser in Kraft gesetzt. Die Neuregelung erweitert die Schadstofflisten um Substanzen wie PFAS, Pestizide und Mikroplastik, führt kombinierte Bewertungsmethoden ein und digitalisiert die Meldepflichten der Mitgliedstaaten bis Dezember 2027. Vor dem Hintergrund, dass sauberes Trinkwasser weltweit keine Selbstverständlichkeit, sondern ein kostbares Privileg darstellt.

Sauberes Trinkwasser bildet die fundamentale Lebensgrundlage für Mensch und Natur. Während der uneingeschränkte Zugang zu reinem Wasser weltweit oft keine Selbstverständlichkeit ist, gilt er in Ländern wie Österreich als hohes, teils selbstverständliches Privileg. Besonders das Bundesland Kärnten zeichnet sich durch einen enormen Reichtum an natürlichen Quellen, Seen und qualitativ hochwertigen Grundwasservorkommen aus. Um diesen wertvollen Naturschatz auch für zukünftige Generationen vor neuartigen, menschengemachten Bedrohungen zu schützen, bedarf es strenger gesetzlicher Rahmenbedingungen auf internationaler Ebene.

Mit dem Inkrafttreten der neuen EU-Vorschriften zur Aktualisierung der Listen von Wasserinhaltsstoffen wird dieser Schutz nun unionsweit auf ein neues wissenschaftliches Fundament gestellt. Die Gesetzgebung zielt darauf ab, die Resilienz der Gewässer zu stärken und die fortschreitende Umweltverschmutzung drastisch zu reduzieren. Im Fokus stehen dabei neu identifizierte, gesundheits- und umweltschädliche Substanzen, die fortan strenger überwacht werden müssen. Dazu gehören spezifische per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS), verschiedene Pestizide sowie Rückstände von Arzneimitteln. Erstmals berücksichtigen die Kontrollen auch die Belastung durch Mikroplastik, Indikatoren für Antibiotikaresistenzen und die sensiblen Ökosysteme des Grundwassers.

Eine wesentliche methodische Neuerung des Gesetzes ist die Abkehr von der rein isolierten Betrachtung einzelner Substanzen. Stattdessen führt die EU einen kombinierten Bewertungsansatz ein, der die Gesamtwirkung verschiedener aufeinandertreffender Schadstoffe im Wasser misst. Diese Art der Überwachung soll die Kontrollen effizienter und lückenloser gestalten. Eine zentrale Rolle bei der Datenausarbeitung kommt dabei der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) zu, wodurch ein einheitlicheres Vorgehen auf europäischer Ebene garantiert werden soll.

Neben den verschärften Kontrollmechanismen beinhaltet das Gesetzespaket auch Maßnahmen zur administrativen Vereinfachung. Die Berichterstattungspflichten für die einzelnen EU-Staaten werden durch moderne digitale Werkzeuge erleichtert, die in enger Kooperation mit der Europäischen Umweltagentur entwickelt werden. Zudem verankert das Gesetz das Prinzip der Nichtverschlechterung der Wasserqualität, räumt jedoch gleichzeitig Flexibilität für zeitlich begrenzte Infrastrukturprojekte wie Brückenbauarbeiten, Hochwasserschutz oder Schlammaushub ein. Für die rechtliche und praktische Umsetzung der neuen Richtlinien haben die EU-Mitgliedstaaten Zeit bis zum 22. Dezember 2027.
IM / JW

[ VBB erklärt ]

Bürger:inneninitiativen

Wer in der Europäischen Union politisch etwas verändern will, denkt meist zuerst an Wahlen, Parteien oder Demonstrationen. Weniger bekannt ist ein Instrument, das Bürger:innen direkt auf die europäische Agenda bringen kann: die Europäische Bürger:inneninitiative. Sie gilt als eines der wenigen Werkzeuge, mit denen Menschen aus mehreren EU-Staaten gemeinsam politischen Druck aufbauen können – quer über nationale Grenzen hinweg.

Die Idee dahinter entstand nach dem Vertrag von Lissabon und sollte die Europäische Union demokratischer und greifbarer machen. Seit 2012 können Bürger:innen die Europäische Kommission offiziell auffordern, neue EU-Gesetze vorzuschlagen. Ganz ohne Parteien funktioniert das allerdings nicht. Eine Bürger:inneninitiative ist kein einfacher Online-Appell, sondern ein formal geregeltes Verfahren mit klaren Hürden. 
JW

[ Ereignisse ]

EU-Budget 2028-2034: Diskussion über regionale Mitsprache 

Wenn in Brüssel über den nächsten Mehrjährigen Finanzrahmen verhandelt wird, geht es längst nicht nur um Zahlenkolonnen oder Budgetlinien. Es geht auch um Macht, Mitsprache und die Frage, wie viel Gestaltungsspielraum die EU-Regionen künftig noch haben werden. Genau darüber wurde nun im EU-Verbindungsbüro Kärnten in Brüssel diskutiert. Auf Initiative von Martina Rattinger kamen Helga Berger, österreichisches Mitglied des Europäischen Rechnungshofs, sowie die Leiter:innen der österreichischen Länderbüros Michaela Petz-Michez (Salzburg), Richard Seeber (Tirol) und Simon Prammer (Oberösterreich) zusammen. Ebenfalls mit dabei war Claus Binder von der Ständigen Vertretung Österreichs bei der EU.

Im Zentrum stand der Mehrjährige Finanzrahmen 2028–2034 – also jener langfristige EU-Haushalt, mit dem die Union ihre politischen Prioritäten der kommenden Jahre finanziert. Und diese Prioritäten wachsen: Wettbewerbsfähigkeit, Sicherheit, Verteidigung, Transformation und Klimapolitik erhöhen den Druck auf die europäischen Mittel spürbar. Besonders intensiv wurde über die geplanten „National and Regional Partnership Plans“ gesprochen. Hinter dem sperrigen Begriff verbirgt sich eine grundlegende politische Verschiebung: Entscheidungen über EU-Gelder könnten künftig stärker über die Mitgliedstaaten gesteuert werden. Genau das sorgt in den Regionen für Aufmerksamkeit. Denn die Kohäsionspolitik (Regionalpolitik) zählt seit Jahren zu den sichtbarsten europäischen Instrumenten vor Ort. Mit ihr werden Straßen, Forschungsprojekte, Innovationszentren oder regionale Infrastruktur mitfinanziert. Die Sorge vieler Regionen: Dass ihre direkte Rolle bei der Gestaltung europäischer Förderungen schrittweise kleiner werden könnte.

Gleichzeitig wurde auch die Perspektive des Europäischen Rechnungshofs eingebracht. Mehr Flexibilität im EU-Haushalt, so der Tenor, brauche ebenso klare Kontrolle, Transparenz und nachvollziehbare Mittelverwendung. Gerade angesichts steigender finanzieller Herausforderungen werde die Frage der Effizienz europäischer Gelder weiter an Bedeutung gewinnen.

Der Austausch in Brüssel machte deutlich: Die Debatte über den nächsten EU-Haushalt ist weit mehr als eine technische Finanzdiskussion. Sie berührt eine Grundsatzfrage europäischer Politik – nämlich, wie stark Regionen künftig an der Gestaltung der Europäischen Union beteiligt sein werden. Kärnten setzt sich dabei auf europäischer Ebene konsequent dafür ein, dass Regionen auch künftig eine zentrale Rolle in der Ausgestaltung und Umsetzung europäischer Politik behalten.
JW

[ Ereignisse ]

Cybersercurity, Medienkompetenz und EU: HTL Villach zu Besuch 

Wie erkennt man Desinformation im Netz? Warum verbreiten sich Fake News oft schneller als überprüfte Informationen? Und welche Verantwortung tragen Plattformen, Politik und Nutzer:innen im digitalen Raum? Mit diesen Fragen beschäftigten sich die Schüler:innen des Cybersecurity-Schwerpunkts der HTL Villach bei ihrem Besuch im EU-Verbindungsbüro Kärnten in Brüssel.

Neben Einblicken in die Arbeit des Verbindungsbüros, der EU-Institutionen und in aktuelle europäische Themen stand vor allem der Austausch über digitale Sicherheit und Medienkompetenz im Mittelpunkt. In einem gemeinsamen Workshop wurden Mechanismen hinter Desinformation, Manipulation auf Social Media und die Bedeutung verlässlicher Quellen diskutiert.

Gerade in einer Zeit, in der Informationen in Sekunden verbreitet werden können, gewinnt Medienkompetenz zunehmend an Bedeutung – nicht nur für den persönlichen Umgang mit digitalen Inhalten, sondern auch für demokratische Gesellschaften insgesamt. Die Europäische Union setzt deshalb verstärkt Maßnahmen gegen Desinformation und für mehr Transparenz auf Online-Plattformen. Ziel ist es, den digitalen Raum sicherer zu machen und gleichzeitig die Meinungsfreiheit zu schützen.

Besonders beeindruckend war das große Interesse der Schüler:innen an den europäischen Fragestellungen rund um Digitalisierung und Cybersecurity. Schnell wurde deutlich: Junge Menschen hinterfragen, wie Informationen entstehen, verbreitet und gezielt beeinflusst werden können. Der Besuch zeigte eindrucksvoll, wie eng digitale Kompetenzen und europäische Zukunftsthemen mittlerweile miteinander verbunden sind. Gerade die Europäische Union spielt dabei eine zentrale Rolle: beim Schutz demokratischer Werte, bei der Regulierung digitaler Plattformen und bei der Förderung eines sicheren digitalen Raums für Bürger:innen.

Das EU-Verbindungsbüro Kärnten bedankt sich für den spannenden Austausch und das große Interesse an den europäischen Themen in Brüssel.
JW

[ Ereignisse ]

22. Mai 2026 - Internationale Tag der Biodiversität

Der alljährliche Internationale Tag der Biodiversität am 22. Mai erinnert an die Verabschiedung des UN-Übereinkommens über die biologische Vielfalt im Jahr 1992. Das Abkommen verpflichtet weltweit über 196 Vertragspartner:innen zum Schutz von Ökosystemen, Arten und genetischen Ressourcen. Neben der nachhaltigen Nutzung steht vor allem die Förderung des gesellschaftlichen Bewusstseins durch Medien und Bildung im Fokus der globalen Naturschutzstrategie.

Die Erhaltung der biologischen Vielfalt sichert die Stabilität der globalen Ökosysteme und bildet die Lebensgrundlage für die gesamte Menschheit. Um das Bewusstsein für den fortschreitenden Verlust von Tier- und Pflanzenarten zu schärfen, wird seit dem Jahr 2000 weltweit am 22. Mai der Internationale Tag der biologischen Vielfalt gefeiert. Dieses Datum erinnert an den 22. Mai 1992, an dem der Text des UN-Abkommens in Nairobi beschlossen wurde. Nach der offiziellen Unterzeichnung bei der UN-Konferenz in Rio de Janeiro trat der Vertrag schließlich Ende 1993 in Kraft. Mit heute mehr als 196 Vertragspartner:innen gehört dieses Übereinkommen zu den erfolgreichsten Verträgen der Vereinten Nationen.

Das Hauptanliegen dieser Konvention basiert auf einer Verknüpfung von strengem Naturschutz und nachhaltiger Entwicklung auf drei Ebenen: dem Erhalt von Ökosystemen, dem Schutz einzelner Arten sowie der Bewahrung ihrer genetischen Vielfalt. Die globale Dringlichkeit spiegelt sich in einer alarmierenden weltweiten Krise wider. Durch Zerstörung natürlicher Lebensräume, Klimawandel, Verschmutzung und Monokulturen sind weltweit rund eine Million Tier- und Pflanzenarten direkt vom Aussterben bedroht. Ein globaler Fahrplan wie das Kunming-Montreal-Rahmenwerk sieht daher vor, bis 2030 mindestens 30 Prozent der geschädigten Land- und Meeresflächen unter Schutz zu stellen.

Auch in Österreich ist die Situation der Tier- und Pflanzenwelt besorgniserregend. Obwohl das Land aufgrund seiner alpinen Gegebenheiten über 75.000 Arten beheimatet, stehen laut Roten Listen rund 40 Prozent aller untersuchten Artengruppen auf der Gefährdungsstufe. Besonders die intensive landwirtschaftliche Nutzung, Pestizideinsatz und die hohe Bodenversiegelung belasten die Ökosysteme. Um diesen Abwärtstrend zu stoppen, dient die nationale „Biodiversitäts-Strategie Österreich 2030+“ als Steuerungsinstrument. Konkrete Maßnahmen erstrecken sich von agrarökologischen Förderprogrammen für Blühstreifen über gezielte Wiederansiedlungsprojekte für gefährdete Tierarten bis hin zu kommunalen Begrünungsinitiativen in Städten.

Ein wesentlicher Aspekt für den langfristigen Erfolg aller Schutzmaßnahmen bleibt jedoch die Präsenz des Themas in der breiten Öffentlichkeit. Gemäß Artikel 13 der Konvention sind die beteiligten Vertragsstaaten ausdrücklich dazu aufgefordert, das allgemeine Verständnis für die Relevanz des Artenschutzes aktiv zu fördern. Dies soll primär durch eine kontinuierliche Verbreitung der Biodiversitätsthematik in den Medien sowie durch eine systematische Einbindung der Lehrinhalte in nationale und internationale Bildungsprogramme realisiert werden. Der jährliche Aktionstag soll dazu dienen, die bestehenden Herausforderungen im Bereich des Umweltschutzes global sichtbar zu machen.
IM / JW

[ EU-Projekt der Woche ]

BIOdiverseWetNet

Das grenzüberschreitende Interreg-Projekt „BIOdiverseWetNet“ widmet sich dem gezielten Schutz gefährdeter Feuchtgebiete zwischen Österreich und Slowenien. Mit einem Budget von 1,55 Millionen Euro werden in Kärnten Moore und Auen renaturiert. Die Initiative stärkt die regionale Artenvielfalt, schafft wichtige Kohlenstoffspeicher und stabilisiert nachhaltig den Wasserhaushalt als Schutz gegen Extremwetterereignisse.

Die Initiative „BIOdiverseWetNet“ steht im Fokus des regionalen Naturschutzes in Kärnten. Es handelt sich hierbei um ein grenzüberschreitendes Interreg-Projekt zwischen Österreich und Slowenien, das mit einem Gesamtvolumen von rund 1,55 Millionen Euro ausgestattet ist. Die Finanzierung wird zu 80 Prozent aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) bereitgestellt, während das Land Kärnten eine nationale Kofinanzierung von 15 Prozent beisteuert.

Die Umsetzung des Vorhabens ist an einen festen Zeitrahmen gebunden: Die aktive Laufzeit erstreckt sich über exakt 36 Monate, begann offiziell am 1. September 2025 und endet am 31. August 2028. Wissenschaftlich und praktisch getragen wird das Projekt auf österreichischer Seite maßgeblich von der Arge NATURSCHUTZ sowie dem Naturschutzbund Österreich. Das übergeordnete Ziel ist die langfristige Sicherung und Wiederherstellung gefährdeter Feuchtgebiete, die als unverzichtbare Kohlenstoffspeicher dienen und den regionalen Wasserhaushalt stabilisieren.

Die konkreten Maßnahmen von „BIOdiverseWetNet“ erstrecken sich über mehrere spezialisierte Arbeitspakete, die direkt zur Etablierung grüner Infrastrukturen beitragen. Ein zentraler Schwerpunkt liegt auf der praktischen Revitalisierung von Auwäldern und der Neuanlage eines Netzwerks aus Kleingewässern. Aktuell wurden in den Kärntner Gurkauen bereits sechs neue Gewässer mit einer Gesamtfläche von über 4.000 Quadratmetern künstlich angelegt. Diese neuen Wasserflächen schaffen essenzielle Laich- und Lebensräume für stark gefährdete Amphibienarten, Libellen und wassergebundene Pflanzen. Weitere Pilotmaßnahmen zur Stärkung der biologischen Vielfalt sind für das Freyenthurner Moor und das Höflein-Moor vorgesehen. Diese renaturierten Gewässer und Moore fungieren zudem als natürliche Barrieren gegen Extremwetterereignisse und machen die heimischen Ökosysteme resilienter gegen Umweltbelastungen. Durch ein kontinuierliches, wissenschaftliches Monitoring vor Ort wird der langfristige Erfolg dieser Maßnahmen präzise dokumentiert.

Neben den baulichen und ökologischen Eingriffen in die Landschaft beinhaltet das Projekt auch strategische Schutzmaßnahmen auf mikrobiologischer Ebene. So werden im Rahmen der Projektarbeit spezielle Protokolle entwickelt, um die Übertragung von Krankheiten innerhalb von Amphibienpopulationen frühzeitig zu verhindern. Begleitet werden alle diese Schritte von Bildungs- und Sensibilisierungsinitiativen. Diese sollen das Bewusstsein der lokalen Bevölkerung für den Wert intakter Feuchtgebiete schärfen. Interaktive Informationstafeln an den Projektstandorten vermitteln Besuchern zusätzlich die Bedeutung des regionalen Artenschutzes. Durch diesen ganzheitlichen Ansatz leistet das Projekt „BIOdiverseWetNet“ einen direkten Beitrag zur Umsetzung internationaler Klima- und Artenschutzziele sowie zur neuen EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur auf regionaler Ebene.
IM / JW

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REDAKTION: 
Mag. Martina Rattinger M.A. 
Mag. Julia Windegger Ph.D
Dr. Walter Singer, Christian Hinterberger M.A.
DI Iris Morianz BSc
 

IMPRESSUM:  
Quellen: Europäisches Parlament, Presseraum Europäische Kommission, Europäischer Rat und Rat der Europäischen Union - Medien, Dow Jones, Orf.at, Euractiv, Politico.eu, Agence Europe, VBB Kärnten Information
 

MEDIENINHABER:  
Land Kärnten 
 

HERAUSGEBER:  
Amt der Kärntner Landesregierung. 
EU-Verbindungsbüro des Landes Kärnten in Brüssel, 
B 1000 Brüssel, Rue du Commerce 49 
Abt1.VBB@ktn.gv.at
Tel.: +32 2 282 49 10
 

Dieser Newsletter ist eine Informationsleistung des EU-Verbindungsbüros des Landes Kärnten in Brüssel. Er informiert über Neuigkeiten aus den Europäischen Institutionen mit Schwerpunktrelevanz für Kärnten.

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