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Ländliche Regionen sind weit mehr als landwirtschaftliche Flächen. Sie sind Lebensräume, Wirtschaftsstandorte und wichtige Partnerinnen bei der Bewältigung großer Zukunftsfragen. Anlässlich des International Rural Development Day am 6. Juli zeigt sich: Die Entwicklung ländlicher Räume bleibt eine zentrale Aufgabe der EU – gleichzeitig wird intensiv darüber diskutiert, wie diese Regionen auch in Zukunft gezielt unterstützt werden können.
Rund 30 Prozent der EU-Bevölkerung leben in ländlichen Regionen. Diese Gebiete stehen vor vielfältigen Herausforderungen: Der demografische Wandel, fehlende Arbeitsplätze, der Ausbau digitaler Infrastruktur oder die Sicherstellung von Dienstleistungen des täglichen Lebens beschäftigen viele Gemeinden. Gleichzeitig bieten ländliche Räume große Chancen – etwa durch erneuerbare Energien, nachhaltige Landwirtschaft, technische Innovationen, regionale Wertschöpfung und neue Formen des Arbeitens.
Die EU betrachtet die Entwicklung ländlicher Räume deshalb als zentrale Zukunftsaufgabe. Über die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) unterstützt sie nicht nur Landwirt:innen, sondern fördert auch wirtschaftliche, soziale und ökologische Entwicklungen in Regionen. Die zweite Säule der GAP ist dabei gezielt auf die Entwicklung des ländlichen Raums ausgerichtet. Sie soll die Wettbewerbsfähigkeit der Land- und Forstwirtschaft stärken, natürliche Ressourcen schützen und eine ausgewogene Entwicklung ländlicher Gemeinschaften ermöglichen. Lange Zeit wurde ländliche Entwicklung vor allem mit Agrarpolitik verbunden.
Heute verfolgt die EU einen umfassenderen Ansatz: Ländliche Räume sollen Orte sein, in denen Menschen gerne leben, arbeiten und investieren. Dazu gehören moderne Infrastruktur, leistungsfähige digitale Netze, Bildungsangebote, Gesundheitsversorgung und attraktive Rahmenbedingungen für Unternehmen. Besonders wichtig ist dabei, junge Menschen in den Regionen zu halten und neue Perspektiven zu schaffen. Mit ihrer langfristigen Vision für ländliche Gebiete verfolgt die EU das Ziel, Dörfer und Regionen stärker, vernetzter und widerstandsfähiger zu machen.
Ein wichtiges Instrument der EU für die Entwicklung ländlicher Räume ist das Programm LEADER. Der Ansatz folgt einem einfachen Prinzip: Menschen vor Ort wissen am besten, welche Projekte ihre Region voranbringen. Über lokale Aktionsgruppen entwickeln Gemeinden, Unternehmen, Vereine und Bürger:innen gemeinsam Strategien und setzen Projekte um. Gefördert werden beispielsweise innovative Tourismusangebote, regionale Produkte, soziale Initiativen oder Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensqualität. Auch in Kärnten spielt LEADER eine bedeutende Rolle. Sieben Kärntner LEADER-Regionen arbeiten daran, regionale Potenziale zu nutzen und Projekte umzusetzen, die von nachhaltigem Tourismus über regionale Wertschöpfung bis hin zu sozialen Innovationen reichen.
Eine zentrale Voraussetzung für zukunftsfähige ländliche Räume ist die digitale Transformation. Schnelles Internet, digitale Dienstleistungen und neue Arbeitsmodelle können dazu beitragen, Standortnachteile auszugleichen und neue Möglichkeiten für Unternehmen und Bürger:innen zu schaffen. Die EU unterstützt deshalb den sogenannten „Smart-Village“-Ansatz.
In Kärnten gewinnt dieser Ansatz zunehmend an Bedeutung. Mehrere LEADER-Regionen beschäftigen sich damit, wie digitale Lösungen genutzt werden können, um Herausforderungen im ländlichen Raum besser zu bewältigen. Die LEADER-Region Unterkärnten nennt beispielsweise die Stärkung digitaler Lösungen und Smart-Village-Konzepte als Ziel ihrer regionalen Entwicklungsstrategie. Auch die Region Villach-Umland führt Smart Village als möglichen Ansatz zur Umsetzung über LEADER-Schirmprojekte an. Dabei geht es nicht ausschließlich um Technik. Im Mittelpunkt stehen Fragen wie: Wie können Dienstleistungen näher zu den Menschen gebracht werden? Wie können Gemeinden attraktiver für junge Menschen bleiben? Gerade für Kärnten als stark ländlich geprägtes Bundesland bieten sich dadurch neue Chancen: Digitalisierung kann helfen, Arbeitsplätze unabhängig vom Standort zu sichern, regionale Betriebe wettbewerbsfähiger zu machen und die Daseinsvorsorge in Gemeinden langfristig zu stärken.
Die Zukunft der ländlichen Entwicklung ist eng mit den laufenden Verhandlungen über den Mehrjährigen Finanzrahmen (MFR) 2028–2034 verbunden. Dabei geht es nicht nur um die Höhe der verfügbaren Mittel, sondern auch um die Frage, wie EU-Förderungen künftig organisiert und umgesetzt werden sollen. Die Europäische Kommission verfolgt mit ihren Vorschlägen für die kommende Finanzperiode das Ziel, Förderinstrumente stärker zu bündeln und flexibler einzusetzen. Der Europäische Ausschuss der Regionen (AdR) sieht diese Pläne jedoch kritisch und warnt davor, dass durch eine stärkere Zentralisierung die Rolle der Regionen und Gemeinden geschwächt werden könnte. Aus Sicht des AdR müssen regionale und lokale Gebietskörperschaften weiterhin eng in Planung, Umsetzung und Kontrolle von EU-Förderungen eingebunden bleiben. Gerade ländliche Räume benötigen eine klare politische Priorität und eine verlässliche Finanzierung. Die Entwicklung ländlicher Gebiete dürfe nicht ausschließlich über einzelne Förderprogramme betrachtet werden, sondern müsse als wesentlicher Bestandteil des territorialen Zusammenhalts der EU verstanden werden.
Diese Anliegen werden auch von den österreichischen Bundesländern geteilt. Sie betonen die Bedeutung einer starken Partnerschaft zwischen EU, Mitgliedstaaten, Regionen und Gemeinden sowie die Notwendigkeit, Förderentscheidungen weiterhin möglichst nah an den Menschen vor Ort zu treffen. Kärnten setzt sich dafür ein, dass die spezifischen Herausforderungen ländlich geprägter Regionen in der künftigen EU-Förderpolitik berücksichtigt werden. Die kommenden Monate werden daher entscheidend sein: Die Verhandlungen über den MFR 2028–2034 werden bestimmen, welchen Stellenwert Regionen und ländliche Räume in der nächsten Förderperiode der EU einnehmen werden.
Der International Rural Development Day erinnert daran, dass die Zukunft der EU nicht nur in großen Städten entschieden wird. Sie entsteht auch in Gemeinden, Dörfern und Regionen – überall dort, wo Menschen leben, arbeiten und gemeinsam neue Lösungen entwickeln. Für Kärnten bedeutet das: Europäische Regionalpolitik wird dort sichtbar, wo sie ankommt – bei innovativen Projekten, engagierten Gemeinden und Menschen, die ihre Region aktiv mitgestalten. JW
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