Newsletter Nr. 1146 des VBB Kärnten in Brüssel (13. Juli bis 17. Juli 2026)

Liebe Leserinnen und Leser, 

die Sommerpause steht vor der Tür – doch in Brüssel kehrt noch keine Ruhe ein. In dieser Woche hat die Europäische Union eine Reihe von Vorhaben auf den Weg gebracht, die weit über den politischen Betrieb in den Institutionen hinausreichen. Es geht um die Frage, wie die EU digital unabhängiger werden kann, wie der Klimawandel bewältigt wird, wie ländliche Räume zukunftsfähig bleiben und wie Menschen in einer zunehmend digitalen Welt besser geschützt werden können.

Ein Thema, das lange vor allem Expert:innen beschäftigte, rückt nun näher an den Alltag der Bürger:innen: der digitale Euro. Die Europäische Zentralbank hat 36 Zahlungsdienstleister aus dem Euro-Raum für ein Pilotprojekt ausgewählt – darunter mit der Raiffeisen Bank International und der BAWAG auch zwei österreichische Banken. Damit beginnt eine neue Phase bei der Entwicklung einer digitalen Form des Euro. Der digitale Euro soll Bargeld nicht ersetzen, sondern ergänzen. Dahinter steht auch eine strategische Frage: Wie unabhängig soll die EU beim digitalen Bezahlen sein, wenn internationale Anbieter heute einen großen Teil des Zahlungsverkehrs prägen? Für Regionen wie Kärnten, die wirtschaftlich eng mit dem europäischen Binnenmarkt verbunden sind, sind sichere und einfache digitale Lösungen längst zu einem Standortfaktor geworden.

Nicht weniger grundlegend ist die Frage, wie die Zukunft der europäischen Landwirtschaft aussieht. Dabei richtet sich der Blick zunehmend auf Frauen, deren Rolle in landwirtschaftlichen Betrieben und im ländlichen Raum lange zu wenig sichtbar war. Die EU will Frauen künftig stärker unterstützen, etwa beim Zugang zu Förderungen, Wissen und Netzwerken. Denn die Zukunft ländlicher Regionen hängt nicht allein von wirtschaftlichen Zahlen ab, sondern auch davon, wer Verantwortung übernimmt, Innovation vorantreibt und neue Wege eröffnet.
Während die Landwirtschaft vor einem gesellschaftlichen Wandel steht, bleibt die Klimapolitik eine der großen Bewährungsproben der EU. Die aktuellen Hitzewellen in Europa führen erneut vor Augen, wie konkret die Folgen des Klimawandels bereits sind. Mit der geplanten Weiterentwicklung des europäischen Emissionshandelssystems (ETS) stellt sich die EU der Frage, wie Klimaschutz schneller vorankommen kann, ohne die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft aus dem Blick zu verlieren. Der politische Spagat bleibt anspruchsvoll: Emissionen müssen sinken, gleichzeitig brauchen Unternehmen und Bürger:innen verlässliche Rahmenbedingungen für die Transformation.

Auch der digitale Raum wird zunehmend zu einem Feld europäischer Regulierung. Mit strengeren Regeln für soziale Medien will die EU Kinder und Jugendliche besser vor Risiken schützen. Manipulative Algorithmen, Cybermobbing und schädliche Inhalte haben die Debatte über die Verantwortung großer Plattformen verschärft. Die Kommission setzt dabei nicht auf einen Ausschluss junger Menschen aus der digitalen Welt, sondern auf klarere Regeln und mehr Verantwortung für jene Unternehmen, die diese digitalen Räume gestalten.

Wie europäische Politik in der Praxis ankommt, zeigt unser Projekt der Woche: ePowerMove Klagenfurt. Das Projekt macht Kärnten zur europäischen Testregion für die Energiewende in der Elektromobilität und verbindet Forschung, Innovation und regionale Umsetzung. Es zeigt, dass große europäische Ziele erst dann Wirkung entfalten, wenn sie in Städten, Gemeinden und Regionen konkrete Formen annehmen.

Die vergangenen Wochen vor der Sommerpause machen damit eines deutlich: Die großen Zukunftsfragen der EU werden nicht nur in Brüssel entschieden. Ob digitale Souveränität, Klimaschutz oder die Entwicklung ländlicher Räume – entscheidend ist, ob europäische Lösungen auch vor Ort funktionieren. Genau an dieser Schnittstelle zwischen EU und Regionen liegt die besondere Bedeutung der kommenden Monate.

 

Ich wünsche Ihnen eine aufschlussreiche Lektüre.

 

Herzlichst, 

Ihre 

Martina Rattinger 

Leiterin des EU-Verbindungsbüros des Landes Kärnten in Brüssel 

Tagesordnungen der EU-Institutionen
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Unsere Themen heute:

[ EU-Institutionen ]

Digitaler Euro: EU startet nächste Testphase für digitale Zahlungen

Wie werden wir in Zukunft bezahlen? Die Europäische Union arbeitet seit mehreren Jahren an einer digitalen Ergänzung des Bargelds: dem digitalen Euro. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat nun 36 Zahlungsdienstleister aus dem Euro-Raum für ein Pilotprojekt ausgewählt, um die praktische Anwendung der neuen digitalen Währung zu erproben. Mit der Raiffeisen Bank International (RBI) und der BAWAG sind auch zwei österreichische Banken beteiligt.

Der digitale Euro soll künftig eine sichere, allgemein zugängliche und datenschutzfreundliche Möglichkeit für digitale Zahlungen bieten. Er wäre eine digitale Form des Euro und würde – wie Bargeld – von einer öffentlichen Institution, der EZB, ausgegeben werden. Ziel der Initiative ist es, die Zahlungsinfrastruktur innerhalb der EU weiterzuentwickeln und die Abhängigkeit von außereuropäischen Anbietern im digitalen Zahlungsverkehr zu verringern.
JW

[ EU-Institutionen ]

Kinder im Netz besser schützen: EU verschärft Regeln für soziale Medien

Kinder wachsen heute mit dem Smartphone auf. Was für frühere Generationen noch Neuland war, ist für viele junge Menschen längst ein selbstverständlicher Teil des Alltags: Videos ansehen, Nachrichten austauschen, Kontakte pflegen und sich in sozialen Netzwerken bewegen. Doch die digitale Welt, die Unterhaltung und Austausch ermöglicht, bringt auch neue Risiken mit sich. Cybermobbing, schädliche Inhalte und Funktionen, die gezielt auf möglichst lange Bildschirmzeiten ausgerichtet sind, haben eine Debatte ausgelöst: Wie viel Verantwortung müssen jene Unternehmen übernehmen, die diese digitalen Räume gestalten?

Die Europäische Union will darauf eine neue Antwort geben. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat angekündigt, nach der Sommerpause Vorschläge für strengere Regeln zum Schutz von Kindern und Jugendlichen im Internet vorzulegen. Im Zentrum stehen eine mögliche EU-weite Altersgrenze für soziale Medien, bessere Verfahren zur Altersüberprüfung und strengere Vorgaben für Plattformen. Ein vollständiges Verbot sozialer Medien für Minderjährige ist jedoch nicht geplant. Ziel ist vielmehr, digitale Angebote sicherer und altersgerechter zu machen.
JW

[ EU-Institutionen ]

Klimawandel in Europa: Zwischen politischer Reform und infrastruktureller Anpassung

Eine verheerende europäische Hitzewelle mit rund 14.000 Todesfällen verdeutlicht die Dringlichkeit der anstehenden EU-Emissionshandelsreform. Während die Industrie über den Wegfall von Gratiszertifikaten und die Nutzung der Milliardenerlöse diskutiert, reagiert der Verkehrssektor bereits konkret auf den Klimawandel und rüstet neue Eurostar-Züge für extreme Temperaturen bis 55 °C auf.

Die Folgen des Klimawandels werden immer spürbarer: Hitzewellen, extreme Wetterereignisse und Belastungen für Infrastruktur und Wirtschaft zeigen, dass der Kampf gegen die Erderwärmung weiter beschleunigt werden muss. Eine zentrale Rolle spielt dabei der europäische Emissionshandel (EU ETS). Er soll Unternehmen dazu bewegen, weniger klimaschädliche Treibhausgase auszustoßen und steht nun vor einer wichtigen Reform.
JW

[ EU-Institutionen ]

Die Zukunft der Landwirtschaft ist weiblicher

Frauen spielen eine zentrale Rolle für die Zukunft der Landwirtschaft und ländlicher Regionen. Im EU-Agrarrat am 13. Juli waren sich die Mitgliedstaaten einig, dass die Rolle von Frauen im Agrar- und Ernährungssektor weiter gestärkt werden muss. Die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) nach 2027 soll dabei ein wichtiges Instrument sein.

Die EU-Landwirtschaft steht vor großen Herausforderungen: Viele Betriebe suchen Nachfolger:innen, gleichzeitig müssen ländliche Räume attraktiv und lebenswert bleiben. Landwirtschaftskommissar Christophe Hansen betonte, dass bessere Chancen für Frauen beim Zugang zu Land, Finanzierung, Ausbildung und Beratung nicht nur eine Frage der Gleichstellung seien, sondern auch dazu beitragen würden, das Potenzial der EU-Landwirtschaft besser zu nutzen und ihre langfristige Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.
JW

[ EU-Institutionen ]

EU-Erweiterung: Wie sich die Union auf neue Mitgliedstaaten vorbereitet

Die Europäische Union könnte in den kommenden Jahren weiter wachsen. Mehrere Staaten des Westbalkans befinden sich derzeit auf dem Weg in Richtung EU-Mitgliedschaft und durchlaufen unterschiedliche Phasen des Beitrittsprozesses. Zu den Ländern der Region, die eine engere Annäherung an die EU anstreben, zählen Albanien, Bosnien und Herzegowina, Montenegro, Nordmazedonien und Serbien. Auch Kosovo hat einen Antrag auf EU-Mitgliedschaft gestellt. Besonders Montenegro gilt aktuell als eines der am weitesten fortgeschrittenen Kandidatenländer.

Mit möglichen weiteren Beitritten stellt sich für die EU die Frage, wie eine größere Union künftig funktionieren kann und welche Regeln für neue Mitgliedstaaten gelten sollen. Eine Gruppe von EU-Mitgliedstaaten, die sogenannten „Friends of the Western Balkans“, hat dazu nun gemeinsame Leitlinien vorgelegt. Österreich gehört neben Italien, Kroatien, Tschechien, Griechenland, der Slowakei und Slowenien zu dieser Gruppe. In einem in Rom verabschiedeten Positionspapier sprechen sich die Länder dafür aus, dass neue Mitgliedstaaten nach einem Beitritt dieselben Rechte und Pflichten wie alle anderen EU-Länder erhalten sollen.
JW

[ EU-Institutionen ]

EU-Verfahren: Österreich drohen Strafen wegen Bürokratie-Stau

Wegen verschleppter Bürokratie-Entlastung bei Baumaschinen und Rasenmähern droht Österreich eine EU-Klage. Die Europäische Kommission leitet gegen acht Mitgliedstaaten ein Vertragsverletzungsverfahren ein. Da nationale Maßnahmen fehlen oder unzureichend sind, läuft nun eine zweimonatige Frist. Bei weiterem Verstreichen drohen dem Land vor dem Europäischen Gerichtshof empfindliche Geldbußen.

Wenn Mitgliedstaaten ihren Verpflichtungen aus dem EU-Recht nicht nachkommen, werden durch die Europäische Kommission rechtliche Schritte eingeleitet. Ziel ist es, eine vollständige Anwendung des EU-Rechts durchzusetzen, um vor allem die Interessen der Bürger:innen zu gewährleisten. Sobald das Problem gemeinsam mit den Mitgliedstaaten gelöst wird, stellt die Kommission diese Verfahren wieder ein. Die konkreten Umsetzungsmaßnahmen sowie die Einhaltung des EU-Rechts können von der Öffentlichkeit anhand von interaktiven Karten mitverfolgt werden.
IM / JW

[ EU-Institutionen ]

Der demografische Wandel in der Europäischen Union: Bevölkerungsrückgang bis 2100

Die EU steht vor einem demographischen Wendepunkt: Nach einem Höchststand im Jahr 2029 prognostiziert die Europäische Kommission einen kontinuierlichen Bevölkerungsrückgang bis 2100. Steigende Lebenserwartung und sinkende Geburtenraten fordern Arbeitsmärkte und Pflegesysteme heraus. Als Gegenmaßnahmen setzt die EU auf Produktivitätssteigerung, gezielte Migration und die Aktivierung ungenutzter inländischer Arbeitskraftreserven.

Die Europäische Union steht vor einer tiefgreifenden demografischen Transformation. Wie aus dem im Juli 2026 veröffentlichten Demografiebericht der Europäischen Kommission hervorgeht, befindet sich die Bevölkerungszahl nach einem aktuellen Höchststand von 450,6 Millionen Menschen vor einer historischen Trendwende. Die wissenschaftlichen Prognosen der Erhebung „EUROPOP2025“ gehen davon aus, dass die Bevölkerungszahl bis zum Jahr 2029 kurzzeitig auf 453,3 Millionen ansteigen wird, bevor ein kontinuierlicher Rückgang einsetzt. Bis zum Jahr 2100 wird mit einem Absinken auf 398,8 Millionen Menschen gerechnet, was in etwa dem Bevölkerungsstand der 1970er-Jahre entspricht.
IM / JW

[ Im Fokus ]

EU verschärft Kurs gegen russische Einflussnahme

Die Europäische Union verschärft ihren Kurs gegen Russland: Wegen fortlaufender Cyber-Spionage des Geheimdienstes FSB wurden neue Sanktionen verhängt. Gleichzeitig nutzen Brüssel und mehrere Mitgliedstaaten ihre finanzielle Hebelwirkung im Sport- und Kulturbereich. Als Reaktion auf die Wiederzulassung russischer Akteur:innen wurden der Biennale von Venedig sowie Sportverbänden Fördergelder entzogen.

Das Verhältnis zwischen der Europäischen Union, ihren Mitgliedstaaten und Russland ist von einer fortschreitenden Dynamik der Abgrenzung und Sanktionierung geprägt. In den Bereichen Cybersicherheit, internationale Sportpolitik und Kulturförderung wurden zuletzt tiefgreifende Maßnahmen ergriffen, die die anhaltende politische Eiszeit zwischen Brüssel und Moskau verdeutlichen.

Im Zentrum der sicherheitspolitischen Maßnahmen steht ein neuer Schlag der Europäischen Union gegen staatlich gesteuerte Cyber-Spionage. Die EU hat restriktive Maßnahmen gegen Mitglieder der russischen Hackergruppe „Turla“ verhängt, die dem Inlandsgeheimdienst FSB zugeordnet wird. Den Betroffenen werden jahrelange, systematische Angriffe auf Regierungsstellen, kritische Infrastrukturen und strategische Industrien in Europa und der Ukraine vorgeworfen. Die Sanktionen umfassen Einreiseverbote und Vermögenssperren. Parallel dazu wurden russische Technologieunternehmen wie Advanced System Technology und NPP Gamma, die den Geheimdienst unterstützen sollen, von Geschäften auf dem europäischen Markt ausgeschlossen. Begleitet werden diese Schritte von diplomatischen Protesten, wie die Einberufung des russischen Botschafters, als bekannt wurde, dass auch französische Ministerien und Botschaften Ziel der Cyber-Operationen waren. In Polen gerieten zudem kombinierte Heiz- und Kraftwerke ins Visier von Sabotageversuchen.

Gleichzeitig formiert sich im internationalen Sport und in der Kulturszene erheblicher Widerstand gegen die schrittweise Reintegration russischer Akteur:innen. Nachdem das Internationale Olympische Komitee die Suspendierung des Russischen Olympischen Komitees vorläufig aufgehoben und den Weg für eine Rückkehr russischer Athlet:innen geebnet hat, fordern neun EU-Nationen finanzielle Konsequenzen. Estland, Dänemark, Finnland, Lettland, Litauen, die Niederlande, Polen, Rumänien und Schweden verlangen in einem gemeinsamen Schreiben an die Europäische Kommission, Sportverbänden wie dem IOC, World Aquatics und dem internationalen Fechtverband die Gelder aus EU-Förderprogrammen wie Erasmus+ zu streichen. Sie argumentieren, dass Sport in Zeiten des anhaltenden Konflikts in der Ukraine nicht von der Politik getrennt betrachtet werden könne.

Diese Haltung spiegelt sich auch im Kulturbereich wider. Die Europäische Kommission hat die finanzielle Unterstützung der traditionsreichen Biennale von Venedig offiziell eingestellt. Grund dafür ist die Entscheidung der Ausstellungsleitung, den russischen Pavillon erstmals seit Beginn des Ukraine-Krieges wieder für die Kunstschau zuzulassen. Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas begründete den Stopp der zugesagten Fördermittel in Höhe von zwei Millionen Euro damit, dass Kultur nicht zur Schönfärberei von Aggressionen instrumentalisiert werden dürfe. Die Maßnahmen zeigen, dass Europa verstärkt finanzielle und diplomatische Hebel einsetzt, um auf die Aktivitäten Moskaus zu reagieren.
IM / JW

[ VBB erklärt ]

Der Digital Services Act

Ob beim Einkaufen im Internet, auf sozialen Medien oder bei der Suche nach Informationen: Digitale Plattformen sind aus dem Alltag vieler Menschen nicht mehr wegzudenken. Sie erleichtern Kommunikation, Zugang zu Wissen und den Austausch von Waren und Dienstleistungen. Gleichzeitig entstehen im digitalen Raum aber auch neue Herausforderungen – etwa durch Desinformation, betrügerische Angebote, Hassrede, gefälschte Produkte oder manipulative Gestaltungstechniken. 

Mit dem Digital Services Act (DSA) hat die Europäische Union einen einheitlichen Rechtsrahmen geschaffen, der seit 2024 vollständig gilt. Ziel des DSA ist es, den digitalen Raum sicherer und transparenter zu gestalten und gleichzeitig die Rechte der Nutzer besser zu schützen. Das Gesetz verpflichtet Online-Plattformen dazu, mehr Verantwortung für die Inhalte und Risiken ihrer Dienste zu übernehmen. 
JW

[ Ereignisse ]

15. Juli: der Welttag der Jugendkompetenzen

Der World Youth Skills Day (Welttag der Jugendkompetenzen) am 15. Juli betont weltweit die Bedeutung der Jugendbildung für den Arbeitsmarkt. Das aktuelle Motto fordert nachhaltige Kompetenzen für die Zukunft. Österreichs bewährtes duales Ausbildungssystem und Initiativen wie SkillsAustria dienen dabei als internationales Vorbild, um den digitalen Wandel und den Fachkräftemangel erfolgreich zu bewältigen.

Der World Youth Skills Day (Welttag der Jugendkompetenzen) rückt jährlich die strategische Bedeutung der beruflichen, sozialen und digitalen Bildung junger Menschen in den Fokus der weltweiten Aufmerksamkeit. Der von den Vereinten Nationen im Jahr 2014 ins Leben gerufene Aktionstag verfolgt das Ziel, globale Lösungsansätze gegen die Jugendarbeitslosigkeit aufzuzeigen, den Dialog zwischen Politik und Jugend zu stärken und den reibungslosen Übergang von der Ausbildung in ein stabiles Erwerbsleben zu erleichtern.

Angesichts einer sich rapide verändernden Weltwirtschaft, die zunehmend durch technologische Innovationen, den Klimawandel und die Integration künstlicher Intelligenz geprägt ist, gewinnt das diesjährige Motto „Skills for a Shared Future“ (Kompetenzen für eine gemeinsame Zukunft) stark an Relevanz. Es unterstreicht die fundamentale Notwendigkeit, Jugendliche international mit jenen praktischen, technologischen und emotionalen Fähigkeiten auszustatten, die für eine krisenfeste, inklusive und nachhaltige gesellschaftliche Entwicklung erforderlich sind.

Der Wandel der Arbeitswelt ist rasant: Laut UNESCO-Daten stimmen aktuell 40 Prozent der heutigen Kompetenzen nicht mehr mit den Anforderungen des Arbeitsmarktes überein. Zudem werden sich bis 2030 rund 22 Prozent aller Arbeitsplätze durch technologische Disruption verändern.  Der dringende Handlungsbedarf wird durch weltweit 273 Millionen Kinder und Jugendliche ohne Schulbildung verdeutlicht, zudem hat jeder Fünfte im Alter von 15 bis 34 Jahren keine formale Ausbildung. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, fordert UNESCO-UNEVOC globale Dialoge zwischen der Jugend, der Politik, der Wirtschaft und Instituten für berufliche Aus- und Weiterbildung (TVET). Im Zentrum stehen dabei die Rolle von KI und Weltbürgerschaft (Global Citizenship) sowie die gemeinsame Verantwortung für den lebenslangen Wandel in der Arbeitswelt.

Während global der gerechte Bildungszugang und die Armutsbekämpfung im Vordergrund stehen, zeigt Österreich ein starkes Fundament. Das etablierte duale Ausbildungssystem gilt durch die enge Verknüpfung von betrieblicher Praxis und Berufsschule als internationales Vorbild. Es sichert Unternehmen Fachkräfte und hält die Jugendarbeitslosigkeit im EU-weiten Vergleich niedrig. Dennoch erfordert auch hier der digitale Wandel eine ständige Anpassung der Lehrpläne an KI, Medienkompetenz und psychosoziale Resilienz.

Der Aktionstag dient als Plattform, um den Stellenwert handwerklicher, technischer und digitaler Berufe zu stärken. Eine Schlüsselrolle nimmt SkillsAustria ein: Die Initiative koordiniert die Teilnahme junger Fachkräfte an den Berufsweltmeisterschaften (WorldSkills). Diese Wettbewerbe demonstrieren die Leistungsfähigkeit des heimischen Systems auf globaler Bühne. Der Welttag verdeutlicht, dass kontinuierliche Investitionen in moderne Ausbildungsprogramme essenziell sind, um Chancenungleichheiten abzubauen und den Nachwuchs auf die komplexe Arbeitswelt von morgen vorzubereiten.
IM / JW

[ EU-Projekt der Woche ]

ePowerMove – Klagenfurt als europäischer Vorreiter

Klagenfurt wird zur europäischen Testregion für die Energiewende in der E-Mobilität. Das wegweisende EU-Projekt „ePowerMove“ erforscht das zweiseitige (bidirektionale) Laden von Elektrofahrzeugen. Damit können E-Autos künftig als intelligente Energiespeicher genutzt werden, um das Stromnetz zu entlasten. Ein besonderer Fokus liegt auf der sozialen Teilhabe: Bürger:innen können die Zukunft der Mobilität in gemeinsamen Planungsrunden aktiv mitgestalten.

Das internationale Forschungsprojekt „ePowerMove“ setzt neue Maßstäbe für die Elektromobilität in Europa. Gefördert durch das EU-Rahmenprogramm Horizon Europe (als Teil der europäischen Partnerschaft für sauberen Straßenverkehr „2Zero“), verfügt die bis Juni 2028 laufende Initiative über ein Gesamtbudget von rund 9,56 Millionen Euro. Das primäre Ziel des Projekts ist es, das Laden von Elektrofahrzeugen kostengünstiger, sozial gerechter und vor allem netzdienlicher zu gestalten.

Im Zentrum der technologischen Innovation steht das sogenannte Vehicle-to-Grid-Prinzip (V2G), also die Rückspeisung von Strom aus dem Fahrzeug in das öffentliche Netz. Dabei fungieren E-Autos nicht mehr nur als reine Stromabnehmer, sondern als intelligente, bidirektionale Energiespeicher. Sie können überschüssigen Strom – beispielsweise aus erneuerbaren Energien wie Photovoltaik – flexibel zwischenspeichern und bei hoher Last wieder zurückspeisen. Dies stabilisiert die Netze nachhaltig und verhindert lokale Überlastungen.

Ein Zusammenschluss aus 17 europäischen Partnern treibt diese Entwicklung voran. Neben führenden Technologieunternehmen und wissenschaftlichen Einrichtungen spielt Österreich – und insbesondere das Bundesland Kärnten – eine entscheidende Rolle bei der praktischen Umsetzung. Der Projektpartner Metron konzipiert hierfür eine maßgeschneiderte bidirektionale AC-Ladelösung, die direkt in öffentliche Wechselstrom-Ladestationen integriert wird.

Wissenschaftlich begleitet wird das Vorhaben von der Universität Ljubljana. Die Forschenden untersuchen die konkreten Systemvorteile von V2G-Fähigkeiten im Vergleich zu herkömmlichen, rein unidirektionalen Ladestationen. Die gewonnenen Erkenntnisse unterstützen direkt die Ziele der Klagenfurter Smart-City-Klimastrategie sowie den strategischen Ausbau moderner Mobilitätskonzepte.

Die Kärntner Landeshauptstadt ist einer von nur drei ausgewählten Pilotstandorten in ganz Europa, neben Helsinki (Finnland) und Nikosia (Zypern). Unterstützt durch ein eigenes EU-Budget von rund 133.125 Euro direkt für die Stadtgemeinde, wird die Technologie im realen Alltagsbetrieb erprobt. Für die sichere und stabile technische Integration in das lokale Stromnetz sorgt der Projektpartner Kärnten Netz GmbH (KNG). Parallel dazu leitet die Mobilitätsorganisation AustriaTech lokale Co-Design-Workshops. In gemeinsamen Planungsrunden wird die Kärntner Bevölkerung aktiv eingebunden, um barrierefreie und benutzerfreundliche Ladelösungen zu entwickeln.
IM / JW

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REDAKTION: 
Mag. Martina Rattinger M.A. 
Mag. Julia Windegger Ph.D
Dr. Walter Singer, Christian Hinterberger M.A.
DI Iris Morianz BSc
 

IMPRESSUM:  
Quellen: Europäisches Parlament, Presseraum Europäische Kommission, Europäischer Rat und Rat der Europäischen Union - Medien, Dow Jones, Orf.at, Euractiv, Politico.eu, Agence Europe, VBB Kärnten Information
 

MEDIENINHABER:  
Land Kärnten 
 

HERAUSGEBER:  
Amt der Kärntner Landesregierung. 
EU-Verbindungsbüro des Landes Kärnten in Brüssel, 
B 1000 Brüssel, Rue du Commerce 49 
VBB@ktn.gv.at
Tel.: +32 2 282 49 10
 

Dieser Newsletter ist eine Informationsleistung des EU-Verbindungsbüros des Landes Kärnten in Brüssel. Er informiert über Neuigkeiten aus den Europäischen Institutionen mit Schwerpunktrelevanz für Kärnten.

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