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Brüssel ist für viele Menschen der Ort, an dem europäische Politik gemacht wird – oft weit entfernt vom eigenen Alltag. Genau hier setzt das EU-Verbindungsbüro des Landes Kärnten an. Es versteht sich nicht nur als politische Vertretung Kärntens bei den EU-Institutionen, sondern auch als Ort der Begegnung und des Dialogs. Im ersten Halbjahr 2026 nutzten insgesamt 895 Besucher:innen die Gelegenheit, hinter die Kulissen der Europäischen Union zu blicken und europäische Politik aus nächster Nähe kennenzulernen.
Besonders erfreulich war das große Interesse von Schulen. Insgesamt neun Kärntner Schulklassen mit 361 Schüler:innen besuchten das EU-Verbindungsbüro in Brüssel. Ergänzt wurde dieses Angebot durch acht weitere Besucher:innengruppen mit insgesamt 534 Teilnehmer:innen, darunter politische Delegationen, private Reisegruppen sowie Studierendengruppen.
Im Mittelpunkt der Schulbesuche standen interaktive Workshops, die europäische Politik verständlich und praxisnah vermittelten. Die Schüler:innen schlüpften dabei selbst in die Rolle von EU-Abgeordneten, Minister:innen oder Vertreter:innen der Europäischen Kommission und erlebten anhand eines simulierten Gesetzgebungsverfahrens, wie europäische Entscheidungen entstehen. Auf diese Weise wurde deutlich, dass EU-Gesetze nicht "in Brüssel beschlossen" werden, sondern das Ergebnis oft langer Verhandlungen zwischen den Mitgliedstaaten, dem Europäischen Parlament und der Europäischen Kommission sind.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Demokratiebildung. Die Workshops vermittelten, welche Bedeutung demokratische Institutionen auf europäischer Ebene haben, welche Möglichkeiten Bürger:innen besitzen, sich einzubringen. Gerade in Zeiten zunehmender Desinformation und sinkenden Vertrauens in demokratische Institutionen gewinnt dieses Wissen immer mehr an Bedeutung. Ebenso spielte die Medienkompetenz eine zentrale Rolle. Gemeinsam wurde diskutiert, wie Informationen im digitalen Zeitalter bewertet werden können, woran seriöse Quellen zu erkennen sind und welche Auswirkungen Falschinformationen auf demokratische Entscheidungsprozesse haben können. Die Verbindung zwischen europäischer Politik und dem eigenen Medienkonsum wurde dabei anhand konkreter Beispiele anschaulich vermittelt.
Auch die Besucher:innengruppen erhielten einen umfassenden Einblick in die Arbeit des EU-Verbindungsbüros. Im Rahmen von Vorträgen wurde erläutert, welche Aufgaben das Büro als Schnittstelle zwischen Kärnten und den europäischen Institutionen wahrnimmt. Themen waren unter anderem das Einbringen der Landespositionen im direkten Dialog mit der Europäischen Kommission, dem Europäischen Parlament und dem Ausschuss der Regionen, die Beobachtung aktueller Gesetzgebungsvorhaben sowie die Information von Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Gemeinden über neue Entwicklungen auf EU-Ebene.
Darüber hinaus erhielten die Teilnehmer:innen einen Überblick über den europäischen Gesetzgebungsprozess und darüber, an welchen Stellen Regionen wie Kärnten ihre Anliegen einbringen können. Viele Besucher:innen zeigten sich überrascht, wie früh Bundesländer und Regionen bereits an europäischen Diskussionen beteiligt sind und welchen Einfluss sie über ihre Netzwerke und den Ausschuss der Regionen auf politische Entwicklungen nehmen können.
Die hohe Zahl an Besucher:innen unterstreicht das wachsende Interesse an europäischer Politik. Gerade persönliche Begegnungen und direkte Gespräche tragen dazu bei, komplexe Zusammenhänge verständlich zu machen und die EU greifbar werden zu lassen. Für das EU-Verbindungsbüro Kärnten sind diese Besuche daher weit mehr als Informationsveranstaltungen: Sie leisten einen wichtigen Beitrag zur politischen Bildung, stärken das Verständnis für demokratische Prozesse und schaffen eine direkte Verbindung zwischen dem Verbindungsbüro in Brüssel und Kärnten.
Mit 17 Besucher:innengruppen und insgesamt 895 Teilnehmer:innen zieht das EU-Verbindungsbüro bereits zur Jahresmitte eine erfreuliche Bilanz. Das große Interesse zeigt, dass der Wunsch, europäische Politik besser zu verstehen und einen Blick hinter die Kulissen der EU zu werfen, ungebrochen ist – insbesondere dann, wenn die EU nicht abstrakt erklärt, sondern unmittelbar erlebbar gemacht wird. JW
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