Newsletter Nr. 1154 des VBB Kärnten in Brüssel (12. Oktober bis 16. Oktober 2026)

Liebe Leserinnen und Leser, 


drei Tage Brüssel, zahlreiche politische Gespräche und zwei Konferenzen mit einer gemeinsamen Frage: Wie kann die EU ihre Regionen dabei unterstützen, ihre Zukunft aktiv zu gestalten? Beim Arbeitsbesuch von Landeshauptmann Daniel Fellner vom 12. bis 14. Oktober wurde deutlich, wie eng europäische Entscheidungen mit den Entwicklungsmöglichkeiten Kärntens verbunden sind. Gemeinsam mit meinem Team im EU-Verbindungsbüro des Landes Kärnten habe ich den Besuch vorbereitet, Termine koordiniert und den Landeshauptmann bei seinen Gesprächen begleitet. Den Auftakt bildete der Austausch mit dem österreichischen Botschafter in Belgien, Jürgen Meindl. Auf dem Programm standen außerdem die Plenartagung des Europäischen Ausschusses der Regionen und die Europäische Woche der Regionen und Städte (EWRC). Im Rahmen dieser Woche organisierte unser Büro gemeinsam mit den Regionen Niederösterreich, Umbrien, Bouches-du-Rhône, Kastilien-La Mancha und Thüringen sowie Südmähren, Emilia-Romagna, Murcia, den Balearischen Inseln, Nouvelle-Aquitaine und Wielkopolska zwei politische Konferenzen, an denen Landeshauptmann Fellner als Redner teilnahm.
Im Mittelpunkt der beiden Konferenzen standen regionale Innovation und wirtschaftliche Entwicklung sowie die Widerstandsfähigkeit der Wasserversorgung. Die Themen verdeutlichen, vor welchen Aufgaben Regionen stehen: Sie müssen ihre Stärken gezielt nutzen, Investitionen ermöglichen und Lösungen für Herausforderungen entwickeln, die nicht an Gemeinde- oder Staatsgrenzen haltmachen. Der Austausch mit anderen Regionen eröffnet dabei neue Perspektiven, weil Erfahrungen geteilt und erfolgreiche Ansätze weiterentwickelt werden können. Die EU schafft dafür den politischen Rahmen und unterstützt Vorhaben, deren Nutzen über einzelne Regionen hinausreicht.

Wie viel davon künftig möglich sein wird, hängt auch von den Verhandlungen über den nächsten Mehrjährigen Finanzrahmen der EU für 2028 bis 2034 ab. Am 10. Oktober legte die irische Ratspräsidentschaft einen überarbeiteten Verhandlungsvorschlag mit einem Volumen von 1,62 Billionen Euro vor – 141 Milliarden Euro weniger als im ursprünglichen Vorschlag der Europäischen Kommission. Beim EU-Gipfel am 15. und 16. Oktober standen die künftigen Prioritäten der Union ebenfalls auf der Tagesordnung. Im Kern geht es darum, Investitionen in Wettbewerbsfähigkeit, Forschung und Sicherheit mit etablierten Aufgaben wie der regionalen Entwicklung in Einklang zu bringen. Für Kärnten ist diese Debatte unmittelbar relevant: Sie beeinflusst, welche Möglichkeiten künftig für Innovation, Infrastruktur und die Entwicklung ländlicher Regionen zur Verfügung stehen. Europäische Fördermittel können entscheidende Impulse setzen, grenzüberschreitende Vorhaben ermöglichen und regionale Projekte voranbringen. Deshalb müssen die Interessen der Länder und Gemeinden bei der Gestaltung des nächsten EU-Haushalts angemessen berücksichtigt werden.

Auch angesichts des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine wird deutlich, wie sehr die EU auf Zusammenhalt und Handlungsfähigkeit angewiesen ist. Viele Herausforderungen lassen sich weder national noch regional allein bewältigen. Eine starke EU braucht daher die Zusammenarbeit ihrer Mitgliedstaaten ebenso wie die aktive Beteiligung ihrer Regionen, die die konkreten Bedürfnisse der Menschen vor Ort kennen.

Nach dem Arbeitsbesuch des Landeshauptmanns nutzte ich die letzten Tage für Gespräche zu wirtschaftlichen und politischen Themen, die für Kärnten von Bedeutung sind. Angesichts der globalen Bedeutung der ukrainischen Agrarwirtschaft bot das Treffen mit Liliia Bortych und ihrer Delegation eine zentrale Plattform, um bestehende Kontakte zur Ukraine zu vertiefen und konkrete Perspektiven zu schaffen. Im Mittelpunkt des Austauschs mit Maximilian Wildt, dem Geschäftsführer des Flughafens Klagenfurt, stand die strategische Bedeutung des Airports für das Land Kärnten Auch die europäische Energiepolitik stand auf dem Programm: Beim Treffen des Arbeitskreises Energie tauschten sich die Teilnehmenden mit Serena Pontoglio, Team Leader in der Generaldirektion Energie der Europäischen Kommission (DG ENER), über den Electrification Action Plan (EAP) und die weitere Elektrifizierung in der EU aus.

Wie grenzüberschreitende Zusammenarbeit konkret aussehen kann, zeigt auch unser Projekt der Woche: SAGE – Senior Travellers for Sustainability and Heritage. Das Projekt im Rahmen des Interreg-Programms Slowenien–Österreich verbindet nachhaltigen Tourismus mit dem Erhalt des Natur- und Kulturerbes und berücksichtigt dabei die Bedürfnisse älterer Reisender. Es steht beispielhaft dafür, wie Regionen gemeinsame Interessen verfolgen und europäische Förderung nutzen können, um konkrete Vorhaben umzusetzen. Die Wirkung europäischer Zusammenarbeit wird damit auch jenseits politischer Verhandlungen sichtbar: in Projekten, die Menschen und Regionen miteinander verbinden.

Die Woche hat gezeigt: Europäische Zusammenarbeit lebt vom Dialog auf Augenhöhe. Wenn Regionen aktiv mitgestalten und die EU die nötigen Mittel sichert, entstehen daraus die besten Lösungen für die Menschen vor Ort.

 

Herzlichst, 

Ihre 

Martina Rattinger 

Leiterin des EU-Verbindungsbüros des Landes Kärnten in Brüssel 

 
Tagesordnungen der EU-Institutionen
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Unsere Themen heute:

[ EU-Institutionen ]

Chips aus Kärnten: Wie die EU seine Halbleiterindustrie stärken will

Gespräche mit dem österreichischen Botschafter Jürgen Meindl, Austausch mit der slowenischen Regionalentwicklungsministerin Monika Kirbiš Rojs und zwei politische Konferenzen im Rahmen der Europäischen Woche der Regionen und Städte: Landeshauptmann Daniel Fellner nutzte seine drei Arbeitstage in Brüssel, um Kärntner Interessen auf EU-Ebene einzubringen und Kontakte zu zentralen europäischen Partner:innen zu pflegen. Im Mittelpunkt standen die Zukunft der Kohäsionspolitik, die Rolle der Regionen im EU-Haushalt ab 2028 und die grenzüberschreitende Zusammenarbeit bei der Wasserresilienz.

Den Auftakt bildete ein Treffen mit dem österreichischen Botschafter in Belgien und bei der NATO, Jürgen Meindl. Im weiteren Verlauf standen Gespräche über die künftige Ausgestaltung der EU-Förderpolitik auf dem Programm. Beim Treffen mit der slowenischen Ministerin für kommunale Selbstverwaltung, Kohäsion und regionale Entwicklung, Monika Kirbiš Rojs, ging es um die Vorbereitungen für die EU-Förderperiode 2028–2034, die Zukunft der Kohäsionspolitik und die Rolle der Regionen. Auch Interreg, das EU-Programm zur Förderung grenzüberschreitender Zusammenarbeit, sowie der nationale Aufbau- und Resilienzplan (NRRP) waren Thema des Austauschs.
JW

[ EU-Institutionen ]

Kärnten bringt regionale Lösungen in die EU-Debatte ein 

Von der Koralmbahn über innovative Forschung bis zur sicheren Wasserversorgung: Bei der European Week of Regions and Cities in Brüssel zeigte Kärnten gemeinsam mit europäischen Partnerregionen, wie konkrete Projekte die Lebensqualität verbessern und die regionale Entwicklung stärken. Das EU-Verbindungsbüro des Landes Kärnten organisierte zwei politische Diskussionsveranstaltungen mit. Im Mittelpunkt standen Innovation vor Ort und die Frage, wie sich Regionen besser auf Dürren, Hochwasser und die Sicherung der Wasserversorgung angesichts des menschengemachten Klimawandels.   

Unter dem Motto „Strong regions, strong Europe“ brachte die European Week of Regions and Cities von 12. bis 14. Oktober 2026 Vertreter:innen von Regionen, Städten und EU-Institutionen in Brüssel zusammen. Die jährliche Veranstaltung widmet sich der Frage, wie die EU-Regionalpolitik dazu beitragen kann, wirtschaftliche Entwicklung, gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Bewältigung gemeinsamer Herausforderungen zu fördern.
JW

[ EU-Institutionen ]

EU-Haushalt 2028–2034: Vorschlag sieht Kürzungen von 160 Milliarden Euro vor

Von 1,2 auf knapp zwei Billionen Euro: Die EU-Kommission will den langfristigen Haushalt deutlich aufstocken, um Verteidigung, Wettbewerbsfähigkeit und den digitalen und ökologischen Wandel zu finanzieren. Doch die irische Ratspräsidentschaft schlägt Einsparungen von 160 Milliarden Euro vor. Besonders umstritten ist, welche Programme künftig weniger Geld erhalten sollen.

Wie viel darf die EU kosten und welche Aufgaben soll sie mit ihrem Budget erfüllen? Über diese Fragen diskutieren die Mitgliedstaaten derzeit intensiv. Für die Jahre 2028 bis 2034 schlägt die EU-Kommission einen Haushalt von 1,985 Billionen Euro vor. Das ist deutlich mehr als die rund 1,2 Billionen Euro des laufenden Finanzrahmens. Der Anstieg hat mehrere Gründe: Die EU soll mehr für Verteidigung und Sicherheit, die Stärkung ihrer Wettbewerbsfähigkeit sowie den digitalen und ökologischen Wandel ausgeben. Gleichzeitig wächst der Finanzbedarf, um auf geopolitische Krisen und wirtschaftliche Herausforderungen reagieren zu können.
JW

[ EU-Institutionen ]

Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine: Die EU unter Druck, Trump auf Sonderkurs  

Russland setzt seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine fort. Die EU verschärft deshalb ihre Sanktionen und unterstützt Kyjiw militärisch und finanziell. US-Präsident Donald Trump schlägt hingegen einen anderen Weg ein: Mit der Lockerung von Sanktionen auf russischen Diesel eröffnet er Moskau neue Einnahmemöglichkeiten. Gleichzeitig reichen die Folgen des Krieges bis an die Grenzen der EU.

Seit dem Beginn der russischen Vollinvasion am 24. Februar 2022 verteidigt sich die Ukraine gegen den Versuch Moskaus, ihr Staatsgebiet mit militärischer Gewalt zu kontrollieren. Russland greift weiterhin ukrainische Städte und zivile Infrastruktur an. Die EU steht deshalb vor der Frage, wie sie die ukrainische Verteidigung aufrechterhalten, die Einnahmen des russischen Staates begrenzen und die eigene Sicherheit schützen kann. Die jüngsten Entscheidungen zu Sanktionen, Waffenhilfe und Beitrittsverhandlungen zeigen, wie eng diese Aufgaben zusammenhängen.
JW

[ EU-Institutionen ]

EU-Herbstgipfel: EU-Herbstgipfel: Der mühsame Spagat zwischen Sparzwang und Geopolitik  

Beim EU-Gipfel am 15. und 16. Oktober in Brüssel standen der nächste langfristige EU-Haushalt, die Unterstützung der Ukraine und Europas wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit im Mittelpunkt. Die Beratungen zeigten, vor welchen finanziellen und politischen Herausforderungen die EU steht: Sie muss neue Aufgaben finanzieren und zugleich sicherstellen, dass Landwirtschaft, Regionalentwicklung und andere bestehende Prioritäten ausreichend berücksichtigt werden. 

Ein Schwerpunkt des Gipfels war der Mehrjährige Finanzrahmen für 2028 bis 2034. Die irische Ratspräsidentschaft hatte dafür einen überarbeiteten Verhandlungsrahmen mit einem Volumen von rund 1,62 Billionen Euro vorgelegt. Der ursprüngliche Vorschlag der Europäischen Kommission belief sich auf rund 1,76 Billionen Euro. Die Mitgliedstaaten berieten über die Höhe des Budgets, die Verteilung der Mittel und mögliche neue Einnahmequellen. Dabei ging es auch darum, wie Investitionen in Wettbewerbsfähigkeit und Sicherheit mit der Finanzierung der Landwirtschaft und der Kohäsionspolitik vereinbart werden können.
JW

[ EU-Institutionen ]

EU-Regionen pochen auf Mitsprache bei zentralen Zukunftsfragen 

Wie wettbewerbsfähig, krisenfest und sozial ausgewogen die EU künftig sein wird, entscheidet sich auch vor Ort. Welche Rolle die Regionen dabei spielen, stand vom 12. bis 14. Oktober 2026 bei der 173. Plenartagung des Europäischen Ausschusses der Regionen (AdR) in Brüssel im Mittelpunkt. Kärntens Landeshauptmann Daniel Fellner nahm als Mitglied des AdR an den Beratungen teil.

Am 12. Oktober veröffentlichte der AdR seinen siebten Jahresbericht zur Lage der Regionen und Städte in der EU. Er beschreibt die wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Herausforderungen der europäischen Regionen und zeigt, welchen Beitrag sie zur Wettbewerbsfähigkeit und Krisenfestigkeit der EU leisten können. Die Befunde verdeutlichen den Handlungsbedarf: In jeder zweiten Region hat die Armut beziehungsweise soziale Ausgrenzung zugenommen, in mehr als der Hälfte haben sich die Bedingungen am Arbeitsmarkt verschlechtert.
JW

[ EU-Institutionen ]

EU-Arbeitsmarkt: Gute Jobs werden zum Wettbewerbsfaktor

Bessere Bezahlung, mehr Sicherheit und familienfreundlichere Arbeitszeiten: Die Qualität der Arbeitsplätze in der EU hat sich in den vergangenen zehn Jahren verbessert. Doch der Fachkräftemangel, hohe Energiepreise und der Vormarsch der künstlichen Intelligenz stellen den Arbeitsmarkt vor neue Herausforderungen.
Gute Arbeit ist mehr als ein regelmäßiges Gehalt am Monatsende. Auch die Sicherheit des Arbeitsplatzes, verlässliche Arbeitszeiten und Möglichkeiten zur Weiterbildung entscheiden darüber, wie zufrieden Beschäftigte sind. In der EU hat sich die Qualität der Arbeitsplätze in den vergangenen zehn Jahren insgesamt verbessert. Das zeigt der am Dienstag veröffentlichte „Europäische Ausblick für Beschäftigung und Soziales 2026“ der EU-Kommission.
JW

[ Im Fokus ]

Elektro- und Hybridautos

Der europäische Automarkt steht vor tiefgreifenden Veränderungen. Im Ringen um die automobile Zukunft hat die EU-Kommission unter Führung von Ursula von der Leyen nun versucht, die heimische Automobilindustrie mit einem 16-Punkte-Plan vor der asiatischen Konkurrenz abzusichern. In der Handelspolitik mit China wurde damit so Kompromiss erzielt, welcher der heimischen Industrie – zumindest vorübergehend – Abhilfe verschafft. Doch intern wächst der Druck: Strenge regulatorische Auflagen könnten europäische E- Fahrzeuge verteuern, während die Weichenstellung für die dringend benötigten, günstigen Einstiegsmodelle auf EU-Ebene bisher ausbleibt.

Die Eskalation scheint abgewendet: Erstmalig in der Wirtschaftsgeschichte hat China weitreichenden Handelsbeschränkungen zugestimmt, ohne dass es zuvor zu einem offenen Handelskonflikt kam. Nach den bereits verhängten Strafzöllen auf reine Elektroautos hat EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič nun eine Importbegrenzung für chinesische Hybrid- und Plug-in-Hybridfahrzeuge ausgehandelt. Diese Modelle vielen zuvor nicht unter die Ausgleichszölle für batteriebetriebene Elektrofahrzeuge („BEV-Zölle“) aus China, die die EU-Kommission im Dezember 2024 verhängt hatte. Der europäische Markt drohte nun, mit den subventionierten, teilelektrifizierten Autos aus China überschwemmt zu werden.

Der ausgehandelte Pakt zieht nun die Reißleine. Durch die Einigung sollen laut EU-Kommissar Šefčovič über die kommenden vier Jahre mehrere Millionen Fahrzeuge weniger aus China in die Europäische Union gelangen. Als wesentlichen Treiber hinter der raschen chinesischen Kompromissbereitschaft vermuten Experten die geschlossene, deutsch-französische Drohkulisse: Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatten zuvor vehement schärfere und schneller wirkende Schutzinstrumente für die europäische Wirtschaft gefordert. Dies hat Wirkung, stellt die Europäische Union doch Chinas drittwichtigsten Exportmarkt dar. Zusätzlich hat China Erleichterungen für europäische Unternehmen bei der Ausfuhr seltener Erden signalisiert. Diesen Schritt bewerten Analysten vorerst jedoch eher als symbolisch.

Die Verständigung zwischen der EU und China sollte den Druck auf die europäische Autoindustrie lindern – zumindest vorerst. Hybride stellen mittlerweile nämlich das größte Marktsegment der EU dar. Mehr als 44 % der neu zugelassenen Autos im August dieses Jahres waren Hybride oder Plug-in-Hybride. Jedoch stammte im zweiten Quartal auch jeder dritte verkaufte Plug-in-Hybrid von chinesischen Herstellern. Mit den günstigen Preisen können europäische Autobauer aktuell nicht mithalten.

Dazu tragen auch hausgemachte Probleme bei: Neue, strengere Ursprungsregeln der EU für Batterien und Komponenten sollen die europäische Wertschöpfungskette stärken und Abhängigkeiten reduzieren. Erst im März hatte die EU-Kommission dazu den Industrial-Accelerator-Act (IAA) vorgeschlagen. Doch aktuelle Branchenstudien schlagen Alarm: Die geplanten, deutlich strikteren „Made in Europe“-Vorgaben würden die Produktionskosten massiv in die Höhe treiben. Demnach würde sich die Herstellung eines durchschnittlichen europäischen Elektroautos allein durch die Batterieregelung um rund 2.100 Euro verteuern.

Dieser Kostensprung belaste die Rentabilität der Hersteller:innen und drohe eins zu eins an die Endverbraucher weitergegeben zu werden. Hauptsächlich betroffen wären weniger wohlhabende Käufer:innen und günstige E-Modelle. Damit würde folglich auch das politische Ziel der EU, die Elektromobilität für die breite Masse der Bevölkerung erschwinglich zu machen, konterkariert. Es gilt demnach, einen Weg zu finden, der strenge Herkunftsregeln und die Förderung des Umstiegs auf E-Mobilität vereinen kann. Dazu braucht es jedoch auch wettbewerbsfähige Komponenten.

Die finale politische Antwort auf die Fragen zur asiatischen Konkurrenz und den „Made in Europe“-Regeln könnte allerdings noch dauern. Zwar hat EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bereits in ihrer letztjährigen Rede zur Lage der Union vorgeschlagen, dass Europa sein eigenes E-Auto auf den Markt bringen soll. Die dazugehörigen Gesetze wie der Auto-Omnibus, der Industrial Accelerator Act und Änderungen in der Verordnung über die CO2-Flottengrenzwerte stecken aktuell noch im europäischen Gesetzgebungsprozess fest, sind aber unerlässlich dafür, dass Europa ein eigenes, wettbewerbsfähiges und damit leistbares Elektroauto produzieren kann.
SN / JW

[ VBB erklärt ]

Was ist die European Week of Regions and Cities?

Einmal im Jahr wird Brüssel zum Treffpunkt der europäischen Regionen und Städte. Bei der European Week of Regions and Cities geht es darum, wie EU-Politik vor Ort wirkt, welche Lösungen Regionen für gemeinsame Herausforderungen entwickeln und wie sie die Zukunft der europäischen Regionalpolitik mitgestalten können.  

Die European Week of Regions and Cities wurde 2003 unter dem Namen „Open Days“ ins Leben gerufen. Was zunächst als Initiative regionaler Vertretungen in Brüssel begann, hat sich zur größten jährlichen Veranstaltung zur EU-Kohäsionspolitik entwickelt. Seit 2004 wird sie gemeinsam von der Europäischen Kommission, insbesondere ihrer Generaldirektion für Regionalpolitik (DG REGIO), und dem Europäischen Ausschuss der Regionen organisiert.
JW

[ Ereignisse ]

Internationaler Tag der Frauen in ländlichen Gebieten

Am 15. Oktober richtet sich der Blick auf eine Bevölkerungsgruppe, deren Rolle oft im Verborgenen bleibt: Die Frauen in ländlichen Gebieten. Der 2007 von den Vereinten Nationen ins Leben gerufene Tag soll Herausforderungen aufzeigen und die Leistungen würdigen, die Frauen im ländlichen Raum auf der ganzen Welt erbringen.

Weltweit stellen Frauen knapp 40 Prozent der landwirtschaftlichen Arbeitskräfte, in manchen Teilen Afrikas und Asiens liegt dieser Wert sogar über 50 Prozent. Frauen in ländlichen Gebieten produzieren Nahrungsmittel für die Märkte, stärken dabei die lokale Wirtschaft und sichern zusätzlich die Ernährung ihrer Familien ab.

Dennoch sind Frauen und Mädchen in ländlichen Gebieten überproportional von mehrdimensionaler Armut betroffen. Global bestehen immer noch extreme Hürden: Der Zugang zu Landeigentum, Krediten und Betriebsmitteln und auch zu hochwertigen Agrar- und Lebensmittelketten ist Frauen in vielen Teilen der Welt nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich. Zudem erzielen sie niedrigere Preise für ihre Ernten. Die Vereinten Nationen nutzen diesen internationalen Tag daher auch, um für Geschlechtergleichstellung und die Bekämpfung ländlicher Armut zu appellieren.

Denn strukturelle Barrieren und diskriminierende soziale oder rechtliche Normen führen auch heute noch dazu, dass die politische Entscheidungsbefugnis von Frauen in ländlichen Regionen eingeschränkt ist. Immer noch herrscht Ungleichheit beim Zugang zu Bildung, Gesundheitsversorgung und wirtschaftlichen Ressourcen. Globale Daten zeigen, dass es – bis auf einzelne, wenige Ausnahmen – Frauen auf dem Land, verglichen mit Männern, die in ländlichen Gebieten leben oder auch Frauen, die in der Stadt leben, deutlich schlechter geht. Die entwicklungspolitischen und geschlechtsspezifischen Indikatoren zeigen deutlich: Frauen in ländlichen Gebieten sind überproportional von (Alters-)Armut, Ausgrenzung und auch den Folgen des Klimawandels betroffen.

Auch für Österreich ist der Aktionstag relevant. Die heimische Landwirtschaft wäre ohne Frauen nicht denkbar. Mehr als jeder dritte Bauernhof in Österreich wird von einer Landwirtin geleitet, auch in Kärnten werden knapp 30 Prozent der rund 10.000 Betriebe von einer Frau geführt. Studien zeigen, dass Innovation auf den Höfen weiblich ist: Sie sind die Expertinnen für Diversifizierung und neue Einkommensquellen. Frauen sind neben der traditionellen Hofarbeit vermehrt in Tourismus, der Brauchtumspflege und im Bildungsbereich tätig, bringen Nachhaltigkeit voran und sind damit klar eine treibende Kraft im ländlichen Raum.

Trotz zunehmender Wertschätzung bestehen nach wie vor große Herausforderungen, wie die Vereinbarkeit von Care-Arbeit und fordernder Hofarbeit oder mangelnde soziale Absicherung im Alter, weiterhin fort – in Österreich und weltweit. Der 15. Oktober sollte uns somit daran erinnern, dass die Zukunft unserer Lebensmittelversorgung, der Klimagerechtigkeit und der Schutz unserer ländlichen Gebiete untrennbar mit der Anerkennung und Verbesserung der Rechte und Chancen von Frauen im ländlichen Raum verbunden sind.
SN / JW

[ EU-Projekt der Woche ]

SAGE – Senior Travellers for Sustainability and Cultural Heritage

Das EU-Projekt SAGE - Senior Travellers for Sustainability and Cultural Heritage ist ein grenzüberschreitendes Tourismusprojekt in zwischen Österreich und Slowenien. Gefördert im Rahmen des Interreg-Programms Slowenien-Österreich zielt das Projekt darauf ab, den Tourismus für ältere Generationen besser zu verstehen und neu zu definieren. Traditionell wird Seniorentourismus stark mit Kur- und Wellnessaufenthalten verknüpft. SAGE bricht mit diesem Klischee und rückt stattdessen das Erleben von Natur und Kultur in den Mittelpunkt, um der älteren Generation, insbesondere Personen ab 65 Jahren, maßgeschneiderte und zugleich nachhaltige Reiseerlebnisse zu bieten. Lokale Anbieter und Organisationen arbeiten dabei grenzübergreifend zusammen, um das Natur- und Kulturerbe der gemeinsamen Region zu erhalten und entsprechende touristische Angebote schaffen zu können.

Die Umsetzung des Projekts basiert auf einer engen Zusammenarbeit von Partnern aus Wissenschaft, Regionalentwicklung und Reiseanbietern. Dazu gehören unter anderem die FH JOANNEUM, das Natur- und Kräuterdorf Irschen in Kärnten sowie slowenische Tourismusorganisationen aus der Region Moravske Toplice. Die von der FH JOANNEUM erhobenen Daten werden genutzt, um gemeinsam mit den Partnern an innovativen, grenzüberschreitenden Angeboten zu arbeiten. So wurde beispielsweise erhoben, dass Senior:innen bei ihren Reisen großen Wert auf soziale Teilhabe, Kultur, sanfte Bewegung und Inspiration für den Alltag legen. Aus diesen Informationen werden anschließend sogenannte Tourismuspakete entwickelt. Ein erfolgreiches Angebot stellt hier beispielsweise die Alpen-Adria-Teezeremonie dar, welche das Wissen über lokale Kräuter und Traditionen vermittelt. Auch eine dreitägige Schnupperreise in der Grenzregion Thermen- und Vulkanland Steiermark und Prekmurje, bei der Museumsbesuche, Handwerksarbeiten wie Flechten und Töpfern sowie E-Bike-Touren am Programm standen, fand bereits statt.

Im Rahmen von SAGE wurde außerdem das sogenannte SENIFOR-Modell vorgestellt, ein von den Projektpartnern entwickeltes Auszeichnungssystem für seniorenfreundliche Destinationen. Bei einem Workshop lernten Tourismusbetriebe das Modell kennen, um künftig den spezifischen Bedürfnissen älterer Reisender gerecht werden zu können. Dabei geht es nicht nur um Ausstattung wie barrierefreie Badezimmer, sondern auch um angepasste Kommunikation, altersgerechte Mobilitätskonzepte und Serviceangebote, die Sicherheit und Komfort garantieren. Für eine langfristige Sicherstellung dieser Ausgestaltung können Tourismusanbieter Absichtserklärungen unterzeichnen und den Titel „seniorenfreundliches Reiseziel“ erwerben.

SAGE stellt damit eine grenzüberschreitende Initiative dar, die den demografischen Wandel als Chance für den Tourismus nutzt. Das Projekt hat dabei zum Ziel, die natürlichen und kulturellen Schätze der Region zu bewahren, gleichzeitig aber die Grenzregion als gemeinsamen Tourismus- und Lebensraum zu nutzen. Dafür arbeiten slowenische und österreichische Tourismusanbieter:innen zusammen, um eine gemeinsame Reisedestination aufbauen, die älteren Menschen eine aktive, bereichernde Teilhabe am Reisen ermöglicht. Finanziell ermöglicht wurde SAGE maßgeblich durch Fördermittel der Europäischen Union: 80 Prozent des Gesamtbudgets des Projekts wurden durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) mit einer Summe von 500.839,05 Euro kofinanziert.
SN / JW

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REDAKTION: 
Mag.a Martina Rattinger M.A. 
Mag.a Julia Windegger Ph.D
Dr. Walter Singer, Christian Hinterberger M.A.
Mag.a Selina Nageler
 

IMPRESSUM:  
Quellen: Europäisches Parlament, Presseraum Europäische Kommission, Europäischer Rat und Rat der Europäischen Union - Medien, Dow Jones, Orf.at, Euractiv, Politico.eu, Agence Europe, VBB Kärnten Information
 

MEDIENINHABER:  
Land Kärnten 
 

HERAUSGEBER:  
Amt der Kärntner Landesregierung. 
EU-Verbindungsbüro des Landes Kärnten in Brüssel, 
B 1000 Brüssel, Rue du Commerce 49 
VBB@ktn.gv.at
Tel.: +32 2 282 49 10
 

Dieser Newsletter ist eine Informationsleistung des EU-Verbindungsbüros des Landes Kärnten in Brüssel. Er informiert über Neuigkeiten aus den Europäischen Institutionen mit Schwerpunktrelevanz für Kärnten.

 
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