Newsletter Nr. 1155 des VBB Kärnten in Brüssel (19. Oktober bis 23. Oktober 2026)

Liebe Leserinnen und Leser, 


manchmal zeigt sich besonders deutlich, wie widersprüchlich die politische Lage ist: Während Russland die Ukraine weiter bombardiert, stehen zugleich mögliche Gespräche mit Wladimir Putin im Raum. In Brüssel stellt sich damit einmal mehr die Frage, wie mit einem Aggressor umzugehen ist, der militärisch Fakten schafft und gleichzeitig Gesprächsbereitschaft signalisiert. Für die EU bedeutet das, die Unterstützung der Ukraine aufrechtzuerhalten und zugleich auszuloten, unter welchen Bedingungen ein Weg zu einem gerechten und dauerhaften Frieden möglich wäre. Die Entwicklungen in der Ukraine sind dabei nur eine von mehreren Herausforderungen, mit denen sich die EU in diesen Tagen beschäftigt. Der Blick der europäischen Strategen richtet sich längst über die östlichen Krisenherde hinaus nach Norden, wo eine ganz andere, schleichende Veränderung die Geopolitik herausfordert.
Der hohe Norden ist längst mehr als eine entlegene Region: Der Klimawandel verändert die Bedingungen vor Ort, während strategische Interessen und der Zugang zu Rohstoffen an Bedeutung gewinnen. Mit ihrer neuen Arktisstrategie will die EU ihre Interessen in der Region stärker vertreten und zugleich den Schutz der empfindlichen Umwelt im Blick behalten. Wie sich diese Ziele miteinander vereinbaren lassen, wird eine der zentralen Fragen für die Zukunft der Region sein.

Dass der Kampf um Ressourcen und strategische Vormachtstellung im 21. Jahrhundert jedoch nicht nur zu Lande und zu Wasser, sondern auch im Orbit ausgetragen wird, zeigt die Diskussion über Starlink. Wenn zentrale Kommunikationsmöglichkeiten von einzelnen privaten Anbietern abhängen, stellt sich die Frage nach Kontrolle, Verlässlichkeit und strategischer Eigenständigkeit. Mit IRIS² arbeitet die EU deshalb an einem eigenen Satellitennetz, das künftig sichere Kommunikation ermöglichen und die Abhängigkeit von einzelnen Anbietern verringern soll.

Bei der Plenartagung des Europäischen Parlaments in Straßburg ging es um Entscheidungen, die die wirtschaftliche und politische Handlungsfähigkeit der EU langfristig beeinflussen. Im Mittelpunkt stand der Umgang mit kritischen Rohstoffen stand im Mittelpunkt. Die Abhängigkeit von wenigen Lieferanten ist damit nicht nur eine wirtschaftliche Frage, sondern zunehmend auch eine Frage der Sicherheit. Bei importierten Bio-Lebensmitteln wiederum geht es darum, verlässliche Standards sicherzustellen und faire Wettbewerbsbedingungen zu schaffen. Die Themen mögen auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben. Gemeinsam ist ihnen aber, dass europäische Entscheidungen konkrete Folgen dafür haben, wie wir wirtschaften, welche Standards für Produkte gelten und wie gut die EU für künftige Herausforderungen gerüstet ist.

Die konkrete Unterstützung der EU für die Bürger:innen zeigt sich dabei im Bereich der Gesundheitsvorsorge: Mit dem Europäischen Plan zur Krebsbekämpfung unterstützt die EU unter anderem Maßnahmen zur Verbesserung der Früherkennung, der Krebsprävention und der Versorgung von Betroffenen. Der Brustkrebsmonat Oktober erinnert daran, wie wichtig Früherkennung, Forschung und eine gute Versorgung sind. Denn die Chancen auf Vorsorge und Behandlung sollten nicht davon abhängen, in welchem Mitgliedstaat jemand lebt.

Wie fließend die Grenzen zwischen globalen Richtlinien und spürbarer Realität vor Ort letztlich sind, zeigt sich schließlich abseits der großen Hauptstädte im direkten Miteinander zweier Nachbarn: Das Projekt „ZDrauA – Biomonitoring in der Drau“ zeigt, wie Kärnten und Slowenien gemeinsam daran arbeiten, das Ökosystem des Flusses besser zu verstehen und Veränderungen frühzeitig zu erkennen. Gerade bei Flüssen, die Ländergrenzen überschreiten, ist diese Zusammenarbeit entscheidend: Veränderungen machen nicht an Staatsgrenzen halt. Am Ende sind es genau diese regionalen Kooperationen, die den europäischen Gedanken im Alltag greifbar machen.


Ich wünsche Ihnen eine aufschlussreiche Lektüre.

 

Herzlichst, 

Ihre 

Martina Rattinger 

Leiterin des EU-Verbindungsbüros des Landes Kärnten in Brüssel 

 
Tagesordnungen der EU-Institutionen
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Unsere Themen heute:

[ EU-Institutionen ]

Ein neuer Plan der EU für die Arktis

Militärische Aktivitäten, neue Schifffahrtsrouten und ein wachsendes Interesse an Rohstoffen: Die Arktis ist längst mehr als ein Gebiet für Forschung und Klimabeobachtung. Die Region gewinnt auch geopolitisch an Bedeutung. Die EU-Kommission und die Hohe Vertreterin der EU für Außen- und Sicherheitspolitik, Kaja Kallas, haben deshalb eine neue Strategie für die Arktis vorgestellt. Unter dem Titel „Northern Neighbourhood“ verbindet sie zwei Herausforderungen: Der Klimawandel bedroht die empfindliche Region und eröffnet zugleich neue wirtschaftliche und strategische Möglichkeiten, um die Staaten der Arktis zunehmend konkurrieren. Die EU will deshalb ihre eigenen Interessen stärker vertreten. Die Strategie umfasst vier Prioritäten: Sicherheit, Klima, Wirtschaft und Menschen.

Seit der letzten Arktisstrategie der EU aus dem Jahr 2021 hat sich die geopolitische Lage deutlich verändert. Zwar warnte die EU schon damals vor möglichen Spannungen in der Region. Russland wurde jedoch noch als Partner im Rahmen der sogenannten Nördlichen Dimension betrachtet, mit dem eine engere Zusammenarbeit angestrebt wurde. In der neuen Strategie steht die Sicherheit nun an erster Stelle. Die EU-Mitgliedstaaten sollen gemeinsam mit den arktischen Partner:innen und ergänzend zur NATO besser auf mögliche Angriffe vorbereitet sein, kritische Infrastruktur schützen und Europas Handlungsfähigkeit unter den besonderen Bedingungen der Arktis stärken.
SN / JW

[ EU-Institutionen ]

EU ermittelt gegen Booking.com: Betrug und fehlende Transparenz im Visier

Gefälschte Unterkunftsangebote, Phishing-Nachrichten und bezahlte Inserate, die nicht klar als Werbung gekennzeichnet sind: Die Europäische Kommission untersucht, ob das Reiseportal Booking.com ausreichend gegen Betrug auf seiner Plattform vorgeht und seine Nutzer transparent informiert. Am 21. Oktober leitete die Kommission ein förmliches Verfahren wegen möglicher Verstöße gegen den Digital Services Act (DSA), das EU-Gesetz über digitale Dienste, ein.

Im Zentrum steht die Frage, ob Booking.com die Risiken betrügerischer Angebote ausreichend bewertet und wirksame Maßnahmen dagegen ergriffen hat. Dazu zählen gefälschte Inserate für Unterkünfte, die gar nicht existieren, irreführende Angebote und Identitätsbetrug. Nach dem DSA müssen sehr große Online-Plattformen systemische Risiken ihrer Dienste untersuchen und geeignete Maßnahmen zu ihrer Verringerung setzen. Die Kommission prüft nun, ob Booking.com diesen Verpflichtungen nachgekommen ist.
SN / JW

[ EU-Institutionen ]

Rohstoffe, Sicherheit und Entlastung: Die wichtigsten Ergebnisse aus Straßburg 

Kritische Rohstoffe, weniger Bürokratie für kleine Unternehmen und die Finanzierung europäischer Prioritäten: Bei der Plenarwoche vom 19. bis 22. Oktober hat das Europäische Parlament wichtige Positionen festgelegt. Zugleich standen die Sicherheitslage und die künftige Zusammenarbeit mit internationalen Partnern im Mittelpunkt.  

Die Abgeordneten haben bei der Plenarwoche in Straßburg mehrere wirtschafts- und sicherheitspolitisch wichtige Entscheidungen getroffen. Besonders deutlich wurde der Anspruch, die EU unabhängiger von strategischen Importen zu machen und Unternehmen von unnötigem Verwaltungsaufwand zu entlasten. Viele der Beschlüsse sind allerdings noch keine endgültigen Gesetze: In mehreren Fällen müssen die Mitgliedstaaten im Rat der EU den Positionen des Parlaments noch zustimmen.
JW

[ EU-Institutionen ]

EU setzt auf eigenes Satellitennetz

Die Einschränkungen beim Satelliteninternet für die Ukraine zeigen, wie abhängig Europas Sicherheit von privaten Technologieunternehmen ist. Die EU fordert die vollständige Wiederherstellung der Starlink-Dienste und treibt zugleich den Aufbau einer eigenen Satelliteninfrastruktur voran. Auch Europas Telekommunikationsbranche sucht nach unabhängigen Lösungen.

Die Satellitenverbindung ist für die Ukraine von fundamentaler strategischer Bedeutung: Sie sichert die Kommunikation der Streitkräfte und ermöglicht die präzise Steuerung von Drohnen. Nachdem Einschränkungen beim US-Satellitendienst Starlink bekannt geworden waren, forderte die EU-Kommission am 21. Oktober eine rasche Wiederherstellung des vollständigen Dienstes. Die Berichte über die Drosselung seien „äußerst besorgniserregend“, erklärte ein Sprecher in Brüssel. Die Ukraine benötige diese Verbindungen, um ihre Soldat:innen zu vernetzen, die Bevölkerung zu schützen und ihr Staatsgebiet zu verteidigen.
JW

[ EU-Institutionen ]

Neue Migrationsdiplomatie: EU und Ruanda planen erstes gemeinsames Rückführungszentrum  

Die Europäische Union beweist in der Migrationspolitik Handlungsfähigkeit und Innovationskraft: Das erste Rückführungszentrum von EU-Mitgliedstaaten in einem Drittstaat wird voraussichtlich in Ruanda entstehen. Wie aus Brüsseler Diplomatenkreisen verlautete, steht eine zukunftsweisende Vereinbarung zwischen dem ostafrikanischen Staat und einer Vorreitergruppe aus fünf EU-Mitgliedstaaten kurz vor dem Abschluss.

Österreich, Deutschland, Dänemark, Griechenland und die Niederlande treiben dieses strategische Vorhaben intensiv voran. Das Ziel ist ambitioniert: Bis Ende des Jahres soll das Abkommen stehen, um die europäische Rückkehrpolitik endlich effizienter und krisenfester aufzustellen. Eine offizielle Unterzeichnung könnte bereits Mitte November bei einer hochrangigen Migrationskonferenz in Wien erfolgen.
JW

[ EU-Institutionen ]

EU-Staaten einigen sich auf Position zur künftigen Agrarmarktordnung

Die EU-Mitgliedstaaten haben sich auf eine gemeinsame Position zu Teilen der künftigen Regeln für den Agrarmarkt verständigt. Offen bleibt, wie die Landwirtschaft im EU-Haushalt 2028–2034 finanziell ausgestattet wird. Für die weitere Ausgestaltung der Gemeinsamen Agrarpolitik stehen damit wichtige Weichenstellungen bevor. 

Die EU-Staaten haben am Montag eine partielle Einigung über die künftige gemeinsame Marktorganisation für landwirtschaftliche Erzeugnisse (GMO) erzielt. Sie ist ein wesentlicher Bestandteil der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) und soll im nächsten Mehrjährigen Finanzrahmen (MFR) für die Jahre 2028 bis 2034 neu geregelt werden. Über die Höhe und Struktur des langfristigen EU-Haushalts wird auf politischer Ebene allerdings weiterhin verhandelt.
JW

[ EU-Institutionen ]

EU verschärft Regeln für importierte Bio-Lebensmittel 

Bio-Produkte aus Drittstaaten sollen das EU-Bio-Siegel künftig nur tragen dürfen, wenn sie dieselben strengen Anforderungen erfüllen wie Erzeugnisse innerhalb der EU. Darauf haben sich das Europäische Parlament und der Rat der EU geeinigt. Auch für kleine Hofläden und die Weidehaltung in der biologischen Landwirtschaft sind Änderungen vorgesehen. 

Wer in der EU Bio-Lebensmittel kauft, soll sich auch bei importierten Produkten auf einheitliche Standards verlassen können. Eine vorläufige Einigung zwischen dem Europäischen Parlament und den Mitgliedstaaten sieht deshalb strengere Vorgaben für Bio-Erzeugnisse aus Ländern außerhalb der EU vor. Künftig dürfen diese Produkte das europäische Bio-Siegel nur tragen, wenn sie dieselben strengen Kriterien erfüllen wie Lebensmittel, die innerhalb der EU produziert werden. Zusätzliche Kontrollen sollen die Einhaltung der Vorschriften absichern.
JW

[ Im Fokus ]

Moskaus doppeltes Spiel 

Während in Washington und Moskau über neue Friedensgespräche gesprochen wird, erleben die Menschen in der Ukraine eine weitere Nacht russischer Angriffe. In der Nacht auf den 22. Oktober setzte Russland erneut Drohnen und Raketen gegen ukrainische Ziele ein. Nach ukrainischen Angaben wurden landesweit mindestens zwei Menschen getötet und 34 verletzt. Wohnhäuser und Infrastruktur wurden beschädigt. Die Angriffe trafen mehrere Regionen des Landes. Nur Stunden zuvor hatte der Kreml seine Bereitschaft zu neuen Verhandlungen signalisiert.

Am 21. Oktober traf der US-Sondergesandte Steve Witkoff in St. Petersburg den russischen Präsidenten Wladimir Putin. Nach dem rund dreistündigen Gespräch erklärte sich Moskau grundsätzlich bereit, trilaterale Verhandlungen mit den USA und der Ukraine wieder aufzunehmen. Gespräche auf Ebene der Verhandlungsteams könnten nach dem 10. November stattfinden, Abu Dhabi wurde als möglicher Ort genannt. Ein konkreter Durchbruch ist damit nicht verbunden. Russland hat einer weiteren Gesprächsrunde zugestimmt, aber bislang keine wesentlichen Zugeständnisse erkennen lassen.

Putin verhandelt, ohne seine Kriegsziele aufzugeben. Moskau fordert weiterhin die Kontrolle über den gesamten Donbas – einschließlich jener Gebiete, die russische Truppen bislang nicht erobert haben. Zugleich bezeichnet der Kreml Vorschläge der Ukraine und europäischer Staaten als wenig substanziell. Damit hält Russland an weitreichenden Forderungen fest und weist zugleich die Ansätze jener Seite zurück, die sich gegen den russischen Angriffskrieg verteidigt. Die Gesprächsbereitschaft des Kremls ist deshalb noch kein Beleg für einen ernsthaften Kurswechsel. Solange Moskau an seinen territorialen Forderungen festhält und keine Bereitschaft zu substanziellen Zugeständnissen erkennen lässt, besteht die Gefahr, dass Verhandlungen vor allem dazu dienen, die russischen Kriegsziele auf diplomatischem Weg durchzusetzen. Putin kommt dabei entgegen, dass Donald Trump auf eine rasche Einigung drängt. Der US-Präsident erhöht den Druck auf den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, während die Beziehungen zwischen Washington und Kyjiw angespannt bleiben. Zugleich werden Schritte diskutiert, die Moskau wirtschaftlich entgegenkommen. Wenn vor allem die Ukraine zu Kompromissen gedrängt wird, während Russland seine Maximalforderungen aufrechterhält, droht sich das Kräfteverhältnis am Verhandlungstisch zugunsten des Angreifers zu verschieben. Ein Abkommen, das die Folgen des russischen Angriffskriegs einfach festschreibt, würde zudem das Signal senden, dass militärische Gewalt territoriale Gewinne bringen kann.

Selenskyj hat erklärt, dass ein Einfrieren der aktuellen Frontlinie ein erster Schritt zu einer Waffenruhe sein könnte. Das würde bedeuten, dass die Kämpfe entlang der bestehenden Front vorerst eingestellt werden. Die Gebiete, die Russland besetzt hält, würden dadurch aber nicht automatisch rechtmäßig russisch. Die Ukraine müsste also nicht auf ihren Anspruch auf diese Gebiete verzichten. Eine solche Waffenruhe wäre allerdings nur dann tragfähig, wenn die Ukraine verlässlich vor neuen Angriffen geschützt wäre. Dafür bräuchte es verbindliche Sicherheitsgarantien und Vorkehrungen, die verhindern, dass Russland die Kampfpause nutzt, um seine Truppen neu auszurüsten und später erneut anzugreifen.

Auch die EU drängt auf verlässliche Unterstützung für die Ukraine. Die Europäische Kommission forderte das US-Unternehmen SpaceX auf, die volle Funktionsfähigkeit der Satellitenkommunikation Starlink in der Ukraine wiederherzustellen. Starlink ermöglicht über Satelliten den Zugang zum Internet – auch dort, wo die russischen Angriffe die herkömmliche Kommunikationsinfrastruktur beschädigt haben. Das System hilft Soldat, ihre Einheiten zu koordinieren, Informationen von der Front weiterzugeben und Drohnen zu steuern. Diese werden sowohl zur Aufklärung als auch zur Abwehr russischer Angriffe eingesetzt. Einschränkungen der Verbindung können daher unmittelbare Folgen für militärische Operationen haben. Besonders umstritten ist die gemeldete Drosselung des militärischen Kommunikationssystems Starshield, das auf Technologie von SpaceX aufbaut und zusätzliche Sicherheitsfunktionen bietet. Das Wall Street Journal berichtete, SpaceX-Chef Elon Musk habe Geschwindigkeitsbeschränkungen für die Nutzung durch ukrainische Streitkräfte veranlasst. Demnach waren unter anderem Drohnen betroffen, deren Verbindung bei höheren Geschwindigkeiten eingeschränkt wurde. Das kann ihren Einsatz erschweren und sie anfälliger für russische Abwehrmaßnahmen machen. Die Verantwortung für die Einschränkungen ist umstritten: Musk verwies darauf, dass das US-Militär und letztlich der US-Präsident über die Nutzung von Starshield entscheiden.

Auch bei der Weitergabe von US-Geheimdienstinformationen gab es zuletzt Spannungen. Solche Informationen helfen der Ukraine, russische Angriffe frühzeitig zu erkennen – etwa, wenn Raketen gestartet werden – und die Bevölkerung zu warnen oder Abwehrmaßnahmen vorzubereiten. Nach Gesprächen in Oslo begrüßte Selenskyj, dass die USA wieder Informationen über drohende russische Angriffe übermittelten. Gerade bei Angriffen mit ballistischen Raketen können solche Frühwarnungen entscheidend sein, weil nur wenig Zeit bleibt, um Schutz zu suchen oder die Luftabwehr zu aktivieren.

Die Vorgänge machen deutlich, wie verwundbar die ukrainische Verteidigung durch die Abhängigkeit von ausländischen Systemen und Informationen bleibt. Sie unterstreichen, warum die EU eigene Fähigkeiten im Weltraum stärken will, denn im modernen Krieg entscheidet auch der Zugang zu Kommunikation und Frühwarnsystemen über das Überleben auf dem Schlachtfeld. Diese technologische Widerstandskraft ist untrennbar mit der diplomatischen Zukunft verknüpft: Nur aus einer Position der Stärke heraus lässt sich verhindern, dass ein reiner Waffenstillstand Moskau lediglich Zeit verschafft, anstatt den Krieg tatsächlich zu beenden. Über die Zukunft der Ukraine darf nicht über die Köpfe der Ukrainer hinweg entschieden werden. Ein tragfähiger Frieden setzt voraus, dass die Souveränität des Landes und seine langfristige Sicherheit nicht zum bloßen Preis für einen schnellen diplomatischen Scheinerfolg werden.
JW

[ VBB erklärt ]

Warum braucht die EU ein eigenes Satellitennetz? 

Satelliten ermöglichen Kommunikation dort, wo Mobilfunknetze und Glasfaserverbindungen an ihre Grenzen stoßen. Sie verbinden abgelegene Regionen, unterstützen Rettungskräfte bei Katastrophen und sichern Kommunikationswege, wenn herkömmliche Netze ausfallen. Auch für militärische Einsätze und den Schutz kritischer Infrastruktur sind sie von zentraler Bedeutung. Damit wird Satellitenkommunikation zunehmend zu einer Frage der Sicherheit und politischen Unabhängigkeit.

Bei herkömmlichen Internetverbindungen werden Daten über Glasfaserkabel, Mobilfunkmasten und andere Teile der Bodeninfrastruktur übertragen. Satelliteninternet nutzt dagegen Netzwerke im Weltraum, die Daten zwischen Endgeräten und Bodenstationen weiterleiten. Besonders Satelliten in niedrigen Erdumlaufbahnen – dem sogenannten Low Earth Orbit (LEO) in etwa 500 bis 1.200 Kilometern Höhe – ermöglichen vergleichsweise kurze Übertragungszeiten. Dafür ist ein großes Netzwerk aus Hunderten oder Tausenden Satelliten notwendig. Diese befinden sich in ständiger Bewegung und müssen präzise miteinander sowie mit der Bodeninfrastruktur vernetzt sein.
JW

[ Ereignisse ]

Brustkrebsmonat Oktober: Warum er wichtig ist und was die EU tut

Der Oktober steht weltweit im Zeichen der rosa Schleife: Als Brustkrebsmonat rückt der „Pinktober“ die bei Frauen am häufigsten diagnostizierte Krebsart ins Bewusstsein. In Österreich macht Brustkrebs 31,6 % aller Krebsdiagnosen bei Frauen aus, womit das Land leicht über dem EU-Schnitt von rund 30 % liegt. Doch der Monat soll nicht nur Bewusstsein schaffen – er bietet auch Anlass zu prüfen, welche medizinischen und politischen Fortschritte erzielt wurden. Auch auf Ebene der Europäischen Union gibt es Strategien, um dem Brustkrebs den Kampf anzusagen.

Elementar ist dabei der Europäische Plan zur Krebsbekämpfung (Europe’s Beating Cancer Plan), der 2021 mit einem Budget von rund vier Milliarden Euro gestartet wurde, zuzüglich weiteren Geldern für Krebsprogramme und Krebsforschung. Ein zentrales und ehrgeiziges Ziel der EU-Kommission betrifft den Ausbau der Mammographie-Screenings: Bis 2025 sollten 90 % der anspruchsberechtigten EU-Bürgerinnen Zugang zu diesen Vorsorgeuntersuchungen erhalten – eine Zielmarke, deren flächendeckende Umsetzung in allen Mitgliedstaaten allerdings nach wie vor eine Herausforderung bleibt. Über Programme wie EU4Health, Digital Europe und Horizon Europe finanziert die EU außerdem Programme zur Erforschung und Therapieverbesserung von Brustkrebs sowie digitale Gesundheits- und Präventions-Apps wie BUMPER, die der Krebsvorbeugung dient.

Eine Schlüsselrolle innerhalb dieses Krebsplans nimmt die European Commission Initiative on Breast Cancer (ECIBC) ein. Diese Initiative soll sicherstellen, dass Frauen in ganz Europa – unabhängig von Wohnort oder Einkommen – eine qualitativ hochwertige, evidenzbasierte Versorgung erhalten. Dazu entwickelt die ECIBC die europäischen Brustkrebs-Richtlinien fortlaufend weiter. Die aktuellen Empfehlungen raten Frauen zwischen 50 und 69 Jahren dringend zur Teilnahme am systematischen Mammographie-Screening alle zwei Jahre, je nach individuellem Risikoprofil wird auch eine Ausweitung auf jüngere oder ältere Frauen (45 bis 74 Jahre) befürwortet. In Österreich ist das Brustkrebs-Früherkennungsprogramm („Früh erkennen“) für alle Frauen zwischen 45 und 69 Jahren automatisch über die E-Card freigeschaltet. Dennoch nehmen nur rund 41 % dieses Angebot wahr, womit Österreich im EU-Vergleich auf dem fünftletzten Platz liegt.

Ein weiteres zentrales Werkzeug der ECIBC ist das Europäische Qualitätssicherungssystem für Brustkrebszentren. Dieses freiwillige System definiert strenge, einheitliche Standards für den gesamten Behandlungspfad – von der Früherkennung über die Diagnose und Therapie bis hin zur Nachsorge. Kliniken können sich nach diesen EU-Kriterien zertifizieren lassen, was Patientinnen ein Höchstmaß an medizinischer Sicherheit garantiert.

Ergänzt werden diese Maßnahmen durch die laufende Aktualisierung des European Code Against Cancer (Europäischer Kodex zur Krebsbekämpfung). Dieser Leitfaden übersetzt wissenschaftliche Erkenntnisse der Krebsforschung in konkrete Alltagsempfehlungen für die Bevölkerung. Neben klassischen Ratschlägen zu gesundem Lebensstil, Verzicht auf Tabak und Alkohol sowie Sonnenschutz und geringem Fleischkonsum hebt der Kodex explizit die Bedeutung der Teilnahme an staatlich organisierten Screening-Programmen hervor. Für Frauen enthält er zudem spezifische Empfehlungen wie das (längere) Stillen zur Senkung des Brustkrebsrisikos und mahnt zur Vorsicht bei der Einnahme von Hormonersatztherapien bei Wechseljahresbeschwerden.

Der Brustkrebsmonat Oktober erfüllt somit einen doppelten Zweck: Er soll die Politik auffordern, die Ziele des Europäischen Krebsplans konsequent voranzutreiben und den Zugang zu medizinischer Versorgung flächendeckend zu sichern. Gleichzeitig sollte der „Pinktober“ jede einzelne Frau daran erinnern, wie entscheidend die eigene Vorsorge ist. Nationale Strategien und europäische Richtlinien können ihr volles Potenzial nur dann entfalten, wenn entsprechende Angebote auch genutzt werden. Auch für Österreich zeigen die Zahlen zur Vorsorge deutlich Luft nach oben: Das Angebot der kostenlosen Früherkennung über die E-Card ist zwar vorhanden, wird jedoch von fast 60 % der Frauen nicht genutzt.  Dies zeigt einen klaren Handlungsbedarf auf – privat und politisch. Die rosa Schleife ist somit weit mehr als ein Symbol der Solidarität – sie ist ein jährlicher Aufruf, die eigene Gesundheit selbst in die Hand zu nehmen und bestehende Vorsorgeangebote aktiv zu nutzen.
SN / JW

[ EU-Projekt der Woche ]

ZDrauA: Biomonitoring in der Drau

Flüsse verbinden nicht nur Länder, sondern auch Kulturen sowie einzigartige Pflanzen- und Tiergemeinschaften. So auch die Drau, die sich über 725 Kilometer lang, von den Alpen bis in die Pannonische Tiefebene, erstreckt. Flüsse wie die Drau sind auch in Kärnten zentral für das Funktionieren unserer Ökosysteme, da sie uns mit Trinkwasser versorgen und die Bewässerung von Feldern oder auch die Energiegewinnung ermöglichen. Der Erhalt eines gesunden Fluss-Ökosystems ist außerdem für die ansässige Flora und Fauna unerlässlich.

Bei ZDrauA arbeiten daher vier Forschungsorganisationen aus Österreich und Slowenien daran, die Bewertung der Süßwasserqualität in der Region rund um die Drau mithilfe modernster molekularer Methoden zu verbessern. Ziel ist es, ein länderübergreifendes molekulares Biomonitoring der nächsten Generation („Next Generation Biomonitoring“) zu entwickeln, um die ökologische Integrität von Flüssen wie der Drau abzusichern.

Das Konsortium, an dem mitunter die Universität Maribor und die CU Hochschule Kärnten (ehemals FH Kärnten) beteiligt sind, erforscht und entwickelt dabei ein neues, umfassendes Monitoring für Flüsse und deren Wasserqualität. Maßgeblich beeinflusst wird deren ökologische Integrität nämlich durch die Intensität der menschlichen Aktivitäten, die in ihrem Nahebereich stattfinden. Besonders das Einbringen von Schadstoffen oder gefährlichen, biologischen Stoffen wie Viren oder resistenten Mikroorganismen in die Flüsse kann deren Wasserverhältnisse erheblich verändern. Daher wird im Rahmen von ZDrauA an einem effizienten Süßwassermonitoring gearbeitet, welches es ermöglicht, rascher und vor allem rechtzeitig auf solche Änderungen reagieren zu können.

Elementar ist dabei das Next Generation Biomonitoring (NGB) – eine moderne Methode zur Überwachung von Ökosystemen und der Umwelt, bei der klassische Beobachtungsarten durch molekularbiologische Technologien ersetzt oder erweitert werden. Das NGB wird einerseits auf seine Kompatibilität mit den bisherigen Methoden des Süßwassermonitorings getestet. Anderseits ist im Rahmen des Projekts auch die Verbesserung und Harmonisierung des grenzüberschreitenden Monitorings zentral. Dazu werden das Wissen und die Erfahrung aus beiden Ländern genutzt, um gemeinsame Protokolle und Leitlinien zu entwickeln. In Zusammenarbeit mit den zuständigen Regulierungsbehörden aus Österreich und Slowenien werden die neuen Monitoringmaßnahmen anschließend in bestehende Süßwassermonitoring – und Maßnahmenpläne integriert und die in einer Pilotmaßnahme entwickelten (e)DNA-Methoden zur Überwachung von Wasserlebewesen und Krankheitserregern eingesetzt.

Die Innovation des Projekts liegt vor allem darin, dass erstmals in der Region verschiedene NGB-Methoden synchronisiert und grenzüberschreitend angewandt werden. Die dadurch gewonnenen, neuen Daten können künftig für den Naturschutz und die Überwachung von Krankheitserregern im Einzugsgebiet der Drau genutzt werden. Großes Potenzial liegt insbesondere in den molekularbiologischen Ansätzen, die es ermöglichen, eine einzelne Probe für mehrere Zwecke zu verwenden. Dazu trägt auch bei, dass erstmals sowohl in Österreich als auch in Slowenien neue Datenbanken, Dateninterpretationen sowie Leitlinien für die unterschiedlichen Stakeholder bereitgestellt werden. Die Ergebnisse können so durch die Verringerung des Arbeitsaufwandes erheblich verbessert werden.

Außerdem finden im Rahmen von ZDrauA grenzüberschreitende Bildungsaktivitäten statt. Workshops, Veranstaltungen und Publikationen sollen so den Wissensaustausch über die Möglichkeiten und Grenzen, die NGB bietet, fördern. Zielgruppen sind dabei sowohl Forscher:innen, Fachkräfte im Wassermanagement und lokale Institutionen bzw. Behörden, als auch Schüler:innen, Studierende und die allgemeine Bevölkerung. Durch den Wissensaustausch kann ein zusätzliches Bewusstsein für eine nachhaltige und gesunde regionale Entwicklung geschaffen werden.

Das Projekt ZDrauA hat eine Laufzeit von drei Jahren (von 01. Jänner 2025 bis 31. Dezember 2027) und wird durch die EU im Rahmen des Interreg-Programms Slowenien-Österreich zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit der beteiligten Regionen gefördert. Ein wesentlicher Anteil wird dabei durch dein Europäischen Fond für regionale Entwicklung (EFRE) finanziert: Bei einem Gesamtprojektbudget von 449.477,28 Euro werden durch den EFRE 359.581,82 Euro übernommen, was einer Förderquote von 80 Prozent entspricht.
SN / JW

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REDAKTION: 
Mag.a Martina Rattinger M.A. 
Mag.a Julia Windegger Ph.D
Dr. Walter Singer, Christian Hinterberger M.A.
Mag.a Selina Nageler
 

IMPRESSUM:  
Quellen: Europäisches Parlament, Presseraum Europäische Kommission, Europäischer Rat und Rat der Europäischen Union - Medien, Dow Jones, Orf.at, Euractiv, Politico.eu, Agence Europe, VBB Kärnten Information
 

MEDIENINHABER:  
Land Kärnten 
 

HERAUSGEBER:  
Amt der Kärntner Landesregierung. 
EU-Verbindungsbüro des Landes Kärnten in Brüssel, 
B 1000 Brüssel, Rue du Commerce 49 
VBB@ktn.gv.at
Tel.: +32 2 282 49 10
 

Dieser Newsletter ist eine Informationsleistung des EU-Verbindungsbüros des Landes Kärnten in Brüssel. Er informiert über Neuigkeiten aus den Europäischen Institutionen mit Schwerpunktrelevanz für Kärnten.

 
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